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In Mori (Stockelsdorf) bei Lübeck aufgewachsen, habe ich bereits von 1916 bis 1918 am Ersten Weltkrieg im Füsilierregiment "Königin" Nr. 86 teilgenommen. Im August 1939 wurde ich als Veteran in die Wehrmacht eingezogen. In diesem Blog veröffentliche ich mein Kriegstagebuch.

Donnerstag, 13. Juni 2013

13. Juni 1940

Nachdem wir uns sehr herzlich von der Familie Laevens verabschiedet haben, erfolgt um 6 Uhr morgens der Abmarsch der Kompanie. Der motorisierte Teil der Kompanie fährt voraus. Wir fahren über Torhout, wo viele Zerstörungen sind. Besonders die Kirche hat schwer gelitten. In Beveren machen wir Quartier für die Kompanie. Ich habe bereits ein tadelloses Zimmer mit prima Bett für mich erobert, als wir hören, daß wir hier nicht bleiben sollen. Nach Mittag fahren wir mit unserem Auto zum Verpflegungsempfang nach Rousselaere. Nach dem Empfang suchen wir mit unserem Auto eine Reparaturwerkstatt auf; einige Zündkerzen müssen erneuert werden. In der Stadt haben Fliegerbomben schweren Schaden angerichtet. Es hat viele Tote unter der Zivilbevölkerung gegeben.
[Karte]

Mit Clasohm besuche ich den Ehrenfriedhof für die Gefallenen von 1914/15. Etwas 1500 deutsche Gräber sind hier. Die einfachen schwarzen Kreuze sind mit Namensaufschrift, Geburtsdatum und Todestag versehen. Der Gesamteindruck der Anlage ist wunderhübsch. Eine große steinerne Pyramide mit Gedenkinschrift in deutscher Sprache und den Namen der hier beigesetzten erhebt sich vor dem Ehrenhain.
Nicht weit davon liegt der Friedhof für die gefallenen Belgier, daneben der für die Engländer und zwei kleinere für die dort beigesetzten Franzosen. Nach der Rückkehr vom Kirchhof treffen wir zufällig auf die kleine Kolonne unserer Autos, denen wir uns anschließen. Die Weiterfahrt geht über Rumbeke, Kachtem, Iseghem, Ingelmunster, Knurne nach Kortriyk. Die gesprengten Brücken über die Lys sind durch Notbrücken erstetzt. Der Weg über unsere Brücke führt uns quer durch einen Tennisplatz. Weiter geht es über Kooigem, Warcoing, Pecq, Rameignies, Chin, Froyennes nach Tournai. Hier lagen wir über längere zeit im 1. Weltkrieg. Die herrliche Kathedrale scheint vom Krieg unberührt zu sein; aber  längst der Schelde ist alles zerstört; sämtliche Brücken sind gesprengt. Überall erblicken wir scheußliche Spuren der stattgehabten Kämpfe. Schon unterwegs waren mir englische Soldatengräber aufgefallen. Nach Aussage der Bewohner haben die Tommies sich überall schrecklich aufgeführt, und es herrscht bei allen Leuten eine große Erbitterung über sie. Hier machen wir Quartier, wobei es immer meine Aufgabe ist, die Hauptarbeit zu leisten. Man spricht nicht mehr flämisch; hier wohnen Wallonen. Nun hilft nur noch die französische Sprache. Wie mir Einwohner erzählen, haben die Engländer 3 Zivilisten erschossen, weil sie der Aufforderung zu flüchten nicht nachkommen wollten. Nach Aussage der Bewohner haben die Briten fürchterlich gehaust, sinnlos geplündert, gestohlen und Eigentum vernichtet. Ich bin abends rechtschaffen müde und lege mich ins Stroh.

 
After we said a warm goodbye to the Laevens family the Company succeeded in setting off at 6a.m. The motorised section of the Company leads.   We drive through Torhaut, where there has been much destruction. The church in particular has suffered badly. In Beveren we establish quarters for the Company. I have just claimed an impeccable room with an excellent bed for myself when we hear that we are not to stay here. At around mid-day we take the car to the provisions centre in Rousseolaere. After we do the pick-up we look up a garage; some spark-plugs need to be replaced. In the town bombers have done a lot of damage. There have been many deaths among the civilian population.
[Map]

With Clasohm I visit the military cemetery for the dead of 1914/15. There are aroung 1500 German graves here. The simple black crosses show name, date of birth and date of death.   The overall impression of the setting is very lovely, A great stone pyramid with memorial inscription and the the names of those buried here rises in front of the grove of honour.
Not far from here lies the cemetery for the fallen Belgians, and after that the one for the English and two smaller ones for the French. After we return from the cemetery we meet by chance a small column of our vehicles, and we join it. The journey continues through Rumbeke, Kachtem, Isegheim, Ingelmunster, Knurne to Kortriyk. The blown-up bridges over the Lys are replaced with temporary bridges. Our route over the bridges takes us straight through a tennis court.  We go on through Kooigem, Warcoing, Pecq, Rameignies, Chin, Froyennes to 
Tournai.  We were here for a long time during the 1st World War. The glorious cathedral seems untouched by the war; but along the Schelde everything is destroyed; all the bridges are blown up. Everywhere we see horrible traces of the fighting which took place here. Even as we were travelling English graves struck me. According to what the locals say the Tommies behaved terribly, and all feel very bitter towards them. We set up quarters here, at which point it is always my responsibility to do most the work. They don’t speak Flemish any more; here live Walloons. Only the French language is any use now According to what the locals  tell me the English shot 3 civilians here because they did not want to follow the order to flee. As the inhabitants tell it, the British lived in a horrible way, plundered senselessly, stole, and destroyed possessions. I am justifiably tired in the evening and lie down on the straw.


FRA IT

Montag, 10. Juni 2013

Italien





















For weeks the press has seen what is to come
with gossipy enthusiastic tongue:
“A neutral Italy we’ve had for far too long
No longer do we want to be alone.
The empire is both strong and large enough
to be enraged at England’s so-called toughs”
Whoever doubted Rome’s great loyalty
should take a careful look and see:
the Axis is both strong and firm
and Rome’s neutrality was a most useful arm.



  FRA IT

10. Juni 1940

Morgens fahren wir mit Lastautos über Brügge nach dem Nordseebad Wenduine. Hier nehmen wir ein erfrischendes Bad. Die Sicht ist schlecht, und wir können leider die vor der Küste liegenden Wracks nicht sehen. Im Ort reiht sich Hotel an Hotel, Pâtisserie an Pâtisserie. Die meisten Hotels sind geschlossen, ihre Inhaber geflohen. Mit einigen Hotelbesitzern unterhalte ich mich französisch. Einer von ihnen hat 3 Söhne beim Militär und hat seit 5 Wochen keinerlei Nachricht von ihnen. Ich speise schön du dabei sehr billig im „Hôtel des Boulevards“. Um 220 Uhr hören wir in einem Lokal die Sondermeldung, daß der Krieg in Norwegen vorbei und Narvik endgültig in deutscher Hand sei.
Wir fahren nach Berg-op-Zoom zurück. Abends um 8 Uhr hören wir beim Verpflegungsempfang die Nachricht, daß Italien England und Frankreich den Krieg erklärt hat. Darob große Begeisterung! Die belgischen Gefangenen (oder sind es nur die Flamen?) kehren seit gestern ununterbrochen in ihre Heimatorte zurück. Man hat sie entlassen und alle sind von Herzen froh. Man hört drastische Meinungsäußerungen über den Krieg, die Kriegshetzer und Kriegsschuldigen, die Kapitalisten und vor allem über die Herren Engländer. Ein ganz besonderer Punkt spielt in ihren Gespächen eine große Rolle.

 
In the morning we go by lorry through Bruges to the North Sea resort of Wenduine. Hear we have a refreshing swim. The visibility is poor, and unfortunately we can't see the wrecks lying off the coast. In the town there is hotel after hotel and cake-shop after cake-shop. Most hotels are closed and the proprietors have fled. I chat with a few hotel owners in French. One of them has 3 sons in the army and has had no news whatsoever of them for 5 weeks. I eat well and cheaply at that in the "Hotel des Boulevards". At 2.20 we hear in a bar the special announcement that the war in Norway is over and Narvik is finally in German hands.
We go back to Berg-op-Zoom.  At 8 in the evening as we are picking up provisions we hear the news that Italy has declared war on England and France. Much rejoicing! The Belgian prisoners (or is it just the Flemings?) have been returning to their home towns in a constant flow since yesterday. They have been released and all are absolutely delighted.You hear extreme expressions of opinion about the war, the warmongers and the war guilty, the capitalists and above all their English lordships. One particular point is of great importance in their talk.


FRA IT

Sonntag, 9. Juni 2013

9. Juni 1940

Sonntag. Das heiße, trockene Wetter hält an.
 
Sunday. The hot, dry weather continues.

FRA IT

Samstag, 8. Juni 2013

Angriff auf Norwegen - Weserübung II - Narvik




















Narvik was quite a nut to crack
But all those heroes have our thanks
the work of heroes was their fight
their heroism rings out right
throughout the world and to us too.
My Dad admires their derring-do,
though they’re just guys from Austria
no men match up to what they are .


Zur Verstärkung ihrer Streitkräfte in Frankreich wurden die alliierten Truppen aus Norwegen ab dem 24. Mai abgezogen – zu einem Zeitpunkt, als es nur noch eine Frage der Zeit gewesen wäre, bis die deutschen Truppen hätten kapitulieren müssen. Die deutsche Wehrmacht konnte Narvik deshalb am 8. Juni wieder besetzen.

 
In order to strengthen their forces in France, Allied troops were pulled out of Norway from the 24th May - at a point when it would only be a question of time until German troops would have capitulate,   This is why the German army could re-occupy Narvik on the 8th of June.



FRA IT

Freitag, 7. Juni 2013

7. Juni 1940

Komp. Trupp, Tross, 1. und 2. Zug rücken mittags ab nach Berg-op-Zoom an der Straße Brügge-Thouront gelegen, kurz vor letzterem Ort. Ich beziehe Quartier in einer Gastwirtschaft, dem Lusthof „Moder Lucy“, wo ich ein kleines, aber sehr nettes Zimmer auf dem Boden habe, das vor allem ein tadelloses Bett aufweist. Clasohm und Junghans, meine beiden Getreuen, bringe ich auf Matratzen auf dem Boden unter. Auf dem Rückweg vom Verpflegungsempfang fahren wir abends über Thouront. Die Stadt hat durch Bombardierung stellenweise böse gelitten.
 
At mid-day the Company Troop, baggage,1st and 2nd platoons head for Berg-op-Zoom, which lies on the route between Bruges and Thourant, just before the latter. I move into a billet at a pub, the pleasure ground "Moder Lucy", where I have a small but pleasant room on the ground floor, which most importantly offers an immaculate bed. I accommodate my two faithful companions, Clasohm and Junghans, on mattresses on the floor. On the way back from picking up provisions we drive through Thourant in the evening. The town has in places suffered badly from bombing.


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Donnerstag, 6. Juni 2013

6. Juni 1940

Morgens fahren wir mit ungefähr 20 Mann mit einem Lastauto nach Brügge. Ich gehe in das Haus der Familie Kort, die mir schon bekannt ist, und bitte die beiden Töchter, uns die Stadt zu zeigen. Wir sind eine Gruppe von 5 Mann; die übrigen Kameraden haben sich auch zu kleinen Trupps zusammengetan und sind losgepilgert. Bis ½ 12 Uhr besichtigen wir unter Führung der beiden Damen die Sehenswürdigkeiten der Stadt.
 
In the morning we go in a truck with around 20 men to Bruges.   I go into the house of the Kort family, whom I already know, and ask the two daughters to show us the town.   We are a small group of 5 men; the remaining men have also organised themselves into small groups and have set off.   Until 11.30 we visit the sights of the town guided by the two ladies.


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