Willkommen
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- Dieter Finzen
- In Mori (Stockelsdorf) bei Lübeck aufgewachsen, habe ich bereits von 1916 bis 1918 am Ersten Weltkrieg im Füsilierregiment "Königin" Nr. 86 teilgenommen. Im August 1939 wurde ich als Veteran in die Wehrmacht eingezogen. In diesem Blog veröffentliche ich mein Kriegstagebuch.
Dienstag, 21. Mai 2013
Montag, 20. Mai 2013
20. Mai 1940 - Jagers te Voet
Ich habe endlich ein wenig Zeit, diese Zeilen wieder aufzunehmen, Seit dem 17., um 3 Uhr, verteidigt sich die Jägerdivision heldenmütig,… verkündet der Rundfunk. In Wirklichkeit ziehen wir uns seitdem in Eilmärschen in Richtung auf die Schelde zurück. Man sucht das Weite, türmt und türmt, ohne die geringste Hitleruniform entdeckt zu haben. Zweimal haben wir Laufschritt machen müssen, um die Brücken vor ihrer Sprengung zu überschreiten.Bei Vilvorde und Alost besetzen die Deutschen eine Viertelstunde nach unserem Passieren die Uferböschung.
Brüssel ist somit Nazi. – Ich gäbe viel darum, Dich in Frankreich zu wissen; wenigstens könnte ich von dort aus Nachricht von dir erhalten. Es bleibt nichts anderes, als entmutigt abzuwarten, abzuwarten.
Augenblicklich bin ich beim Durchlesen meiner Zeilen und stelle fest, daß ich eine wesentliche Tatsache vergessen habe: Wir hatten in der Kompanie den ersten Verwundeten des Regiments, was nicht viel besagen will, für mich selbst aber sehr viel bedeutet; denn dieser Verwundete ist Edgar. Ein Schrapnellsplitter hat ihm das Bein durchbohrt. Übrigens nichts Schlimmes. Er weinte vor Wut, der arme Junge. Dennoch hat er Glück gehabt! Denn er hat nicht gesehen, wie die Überbleibsel dieser ehemaligen Regimenter sich die Straßen entlang schleppten: schmutzig, vertiert, abgestumpft, ohne Spannkraft nur noch mit dieser fixen Idee marschierend; vor „ihm“ an der Brücke zu sein, die Schelde zu erreichen, sich nach Frankreich aus dem Staube zu machen. Und um das zu erreichen, ließ man alles im Stich, Tornister, Munition, Waffen.
Vor der Schelde macht man „Halt“. Man macht kehrt, ohne den Fluß überschritten zu haben. Moral: null.
Nach einer guten Ruhepause geht es heute glücklicherweise schon alles besser. Noch einmal 24 Stunden Ruhe, und wir werden uns gut verteidigen.
Gleichwohl sehe ich dich und unsere Tochter wieder. Welches Glück für mich, daß ich einige Aufnahmen von euch beiden bei mir trage.-
Sonst…!
.
Near Vilvorde and Alost the Germans occupy the embankment just quarter of an hour after we have passed.
And so Brussels is Nazi. I would give my eyeteeth to know that you were in France; at least I could get news of you from there. There’s nothing for it but to wait, and wait, dispirited.
Right now I am re-reading what I have written and realise that I have forgotten a significant fact: in the company we had the regiment’s first casualty, which isn’t significant except that it means a lot to me personally; because this casualty is Edgar. A piece of shrapnel went through his leg. Apart from that nothing serious. He was weeping with rage, the poor boy. And yet he was lucky! Because he didn’t see how the remains of this former regiment trudged along the streets: dirty, brutish, indifferent, with no resilience but just marching with this idée fixe; to get to the bridge before "he" does, to reach the Scheldt, to leg it to France. And in order to achieve this, they left everything behind, knapsacks, ammunition, weapons.
At the Scheldt they have to halt. They turn around, without having crossed the river. Morale: zero.
After a good rest break everything is going better today, thank goodness. Another 24 hours rest and we will give a good account of ourselves.
Nonetheless I look at you and our daughter again. What a joy for me, that I carry a few photos of the two of you with me –
Otherwise…!
IT
20. Mai 1940
Sonntag, 19. Mai 2013
19. Mai 1940
Samstag, 18. Mai 2013
18. Mai 1940
In früher Morgenstunde Abmarsch über Nispen nach Esschen. Hier überschreiten wir um 722 Uhr die belgische Grenze. Über Kalmthoutschen Hoek kommen wir nach Hoogerheide. Aus dem Marsch nach der Scheldemündung wird nichts. Wir sollten dort angeblich die SS ablösen, die gestern die letzten Kämpfe gegen die Franzosen in der Provinz Zeeland gehabt hat. Wir biegen nach Süden ab und rücken auf Antwerpen zu. Unterwegs kommt die Nachricht von dem Fall der Festung. Wir werden vor Heckenschützen gewarnt und nehmen unsere entsicherten Gewehre und Pistolen zur Hand. Beide Straßenseiten werden dauernd scharf beobachtet. Wir hören von einem neuen Einsatzmittel des deutschen Heeres, das bei Lüttich erstmals zur Anwendung kam. Angeblich soll es sich um ein Betäubungsmittel handeln. Ich glaube aber nicht daran. Unser Marsch führt uns nach Putte, wo ganz fürchterliche Zerstörungen sind. Auf der völlig durch Sprengungen und Beschießungen zerstörten Straße können die Kolonnen nicht mehr fahren. Gewaltige Trichter reihen sich aneinander. Durch Gärten hindurch führt unsere äußerst beschwerliche Fahrt. Alle Einwohner sind geflüchtet. Hier verläuft nämlich der Panzergraben, der sich um ganz Antwerpen herum zieht. Uns begegnen die ersten zurückkehrenden Zivilisten. Mitleidige Soldaten melken Kühe, die unter Schmerzen auf der Weide umherlaufen.
Wir ziehen weiter nach Schloß Denneburg bei Kapellen. Ein wunderhübsches Schloß mit schönem Park, der ganze Hecken voll oft über 4m hohen Rhododendron aufweist, der augenblicklich in voller Blüte steht. Im Schloß haben die Franzosen ganz wüst gehaust und haben vieles sinnlos zerstört. Von den Bewohnern ist niemand zurückgeblieben. Durch den ganzen, sehr ausgedehnten Park ziehen sich ausgebaute Stellungen der Franzosen, die die fluchtartig verlassen wurden.
Our march takes us to Putte, where the destruction is terrible. The columns can't march continue on the road which has been completely destroyed by explosions and shelling. There are chains of immense craters. Our extraordinarily difficult route takes us through gardens. All the inhabitants have fled. This is because the tank ditch which circles Antwerp runs through here. The first returning civilians meet us. Sympathetic soldiers milk cows, which were wandering round the meadows in pain.
We continue to Denneburg castle near Kapellen. A very beautiful castle with a lovely park, which features hedges of rhododendron which are often over 4m high, and which at the moment are in full bloom. In the castle the French were very destructive when they lodged there, and destroyed a lot quite senselessly. None of the inhabitants remain. Throughout the whole very extensive park there are well-established emplacements of the French, who left them in a hurry.
IT
Freitag, 17. Mai 2013
Sondermeldung - Special announcement
"A call arises like the thunder's roar" *
amidst the tones from radio speakers soars.
Hinz and Kunz dash at once to the set
together for the special announcement
*The first line of "Die Wacht am Rhein" - a patriotic and anti-French song which became almost like a national anthem in the Franco-Prussian War, 1st World War and 3rd Reich. It was the theme-tune for the daily news on army radio until 1941.
IT
17. Mai 1940
½ 3 Uhr Wecken. Um 3 Uhr Abmarsch der Kompanie. Wir marschieren nach Rosendaal-Kreustraat, Komp.Trupp und Troß liegen zusammen. Zum erstenmal habe ich Gelegenheit, Wäsche zu wechseln. Meine Quartierleute stellen mir für den Vormittag ein Bett zur Verfügung. So kann ich einige Stunden ungestört schlafen. Heute ist Ruhetag! Nachmittags schreibe ich den ersten Brief an meine Frau. Durch Rundfunk hören wir erfreuliche Nachrichten über den Durchstoß durch die Maginotlinie. Wir wissen im übrigen nichts über die Lage im Westen und leben hauptsächlich von Gerüchten. Die Nacht verbringe ich auf dem Heuboden, obgleich nur die Quartiersleute wiederum das Bett zur Verfügung stellen. Unter so vielen Kameraden wollte ich nicht
alleine eine Vergünstigung haben.
IT
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