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In Mori (Stockelsdorf) bei Lübeck aufgewachsen, habe ich bereits von 1916 bis 1918 am Ersten Weltkrieg im Füsilierregiment "Königin" Nr. 86 teilgenommen. Im August 1939 wurde ich als Veteran in die Wehrmacht eingezogen. In diesem Blog veröffentliche ich mein Kriegstagebuch.

Freitag, 4. Oktober 2013

4. Oktober 1940

Morgens 645 Uhr ziehe ich mit den beiden Urlaubern los nach Roxem. Hier müssen wir sehr lange auf der Landstrasse warten. Erst ¼ vor 9 Uhr kommt der Omnibus, der uns mitnehmen soll. Er ist mit Urlaubern voll besetzt, so daß uns nichts anderes übrig bleibt, als den hinter ihm folgenden LKW zu nehmen, der das Urlaubergepäck befördert. Glücklicherweise erwische ich noch einen Platz neben dem Fahrer. Wir fahren nach Brügge. Dort werden wir aufgestellt und eingeteilt. Durch Zufall bekomme ich einen Platz im Bus und kann damit wirklich zufrieden sein. Die Omnibusse waren nicht für die Alten da, die entlassen werden sollen! Um 10 Uhr setzt sich die Autokolonne in Bewegung. Es geht über Gent, Brüssel, Löwen, Tirlemont, Gondern nach Maastricht, wo wir um 4 Uhr nachmittags eintreffen. Um 545 Uhr fährt unser Urlaubszug ab. Bei Herzogenrath kommen wir über die deutsche Grenze. Hier gibt es warmes Essen und Trinken, und es folgt die Zollkontrolle, die ohne Belang ist. Wir fahren die Nach hindurch und kommen über München-Gladbach, Krefeld, Duisburg, Münster, Osnabrück, Bremen.
 
At 6.45 a.m. I set off with the two men on leave to Roxem. We have to wait here on the main road for a long time. The bus which should take us further does not arrive until quarter to 9. It is full of men on leave, so that all we can do is take the lorry which follows, which is transporting the luggage of the men on leave. Fortunately I manage to get a seat beside the driver. We go to Bruges. We assemble there and are divided up. By chance I get a seat in the bus and can be really pleased about it. The buses were not ordered for the veterans who are to be discharged! At 10 the column of vehicles sets off. We go through Ghent,  Brussels, Löwen, Tirlemont, Gondern to Maastricht, where we arrive at 4p.m.. At 5.45 our train for men on leave sets off. We cross the German border at Herzogenrath. Here we get something warm to eat and drink, then follow the border checks, which are quite pointless. We travel through the night and go through München-Gladbach, Krefeld, Duisburg, Münster, Osnabrück, Bremen.


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Donnerstag, 3. Oktober 2013

3. Oktober 1940

Alle entbehrlichen militärischen Ausrüstungsstücke gebe ich ab. Dafür sind viele Laufereien und Formalitäten notwendig. Dann geht es ans Packen.
Ich verabschiede mich von vielen Kameraden, auch vom Hauptmann! Abends schaffe ich mein großes Paket im Verein mit den beiden morgen fahrenden Urlaubern nach Roxem. Dort stellen wir das Paket bei unserer Telephonwache unter.


I hand back as many pieces of military equipment as possible. This demands much running about and many formalities. Then I set about packing.
I say goodbye to many comrades, and to the Captain too! In the evening, together with the two men who are setting off on leave tomorrow, I manage to get my big package to Roxem. There we store the package at our telephone post.


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Mittwoch, 2. Oktober 2013

2. Oktober 1940

Am frühen Morgen fahre ich mit dem Auto nach Turhout. Gegen 10 Uhr stelle ich mich dem Arzt vor, der mich gründlich untersucht. Ich erhalte den notwendigen Schein und fahre nach Zedelgem zurück. Nachmittags um ½ 2 Uhr fahre ich mit meinem Chef nach Brügge, nehme mein ganzes Gepäck aber gleich mit. In Brügge kaufe ich einige nette Sachen für meine Frau und setze mich dann mir dem Sonderführer zusammen, um zum Abschied noch ein Glas Bier zu trinken. Dann fahren wir nach Bekegem zu meiner Kompanie.
Ich verabschiede mich von meinem Chef, der nach Zedelgem zurückfährt und nun den Lehrgang selbst übernehmen muß. Da der Hauptmann gerade nicht anwesend ist, kann ich morgen noch nicht fahren. In meinem alten Quartier lege ich mich schlafen.

 
Early in the morning I go by car to Turhout. At about 10 I report to the doctor, who examines me thoroughly. I get the necessary certificate and go back to Zedelgem. At 1.30 p.m. I go to Bruges with my boss, but take all my belongings with me. In Bruges I buy some nice things for my wife, and then get together with the specialist officer in order to have a final farewell beer.   Then we go to the company at Bekegem.
I take my leave of my superior officer, who is going back to Zedelgem and now has to take over the training course himself. Since the Captain is not here at the moment, I can't yet set off tomorrow. I settle down to seep in my old quarters.


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Dienstag, 1. Oktober 2013

1. Oktober 1940

Ein neuer Monat beginnt. Die Lehrgangsteilnehmer sind in einer Baracke untergebracht, in der es sehr kalt und ungemütlich ist. Auch der Unterricht findet in einer Baracke statt. Hier ist wirklich alles primitiv. Wie schön war es dagegen bei den bisherigen Lehrgängen! Nachmittags fahre ich mit meiner Kompanie nach Bekegem. Ich treffe den Hauptmann und spreche mit ihm wegen meiner Angelegenheit. Er rät mir, mich gleich morgen dem Batl. Arzt vorzustellen, damit er mich untauglich schreibt.
Ich habe mich bei der Kompanie einfach überlebt. – So wir man auf kaltem Wege abgebaut. Wir Alten haben unsere Schuldigkeit getan; man braucht uns jetzt nicht mehr! Der Dank für geleistete Dienste mutet allerdings reichlich eigenartig an.

 
A new month begins. The men attending the course are put up in barracks where it is very cold and unpleasant. The teaching too takes place in a barrack. Everything is really primitive here. How fine things were by comparison in the courses up till now! In the afternoon I go to Bekegem with my company. I meet the Captain and speak to him about my situation. He advises me to report to the Battalion doctor first thing tomorrow so that he can declare me unfit for service.
I have simply outlived my time in the company. In this way we are quietly set aside. We oldies have done our bit; now we are not needed any more! The thanks we get for our efforts seems extremely peculiar.


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Montag, 30. September 2013

30. September 1940

Morgens fahren wir mit dem Auto aus Knocke fort, zunächst wieder nach Brügge. Lange Zeit haben wir im „Swarten Huis“ gesessen und haben dann in einem anderen Lokal zu Mittag gespeist. Am Nachmittag fahren wir weiter über Jabbeke nach Bekegem zu meiner Kompanie. Der Hauptmann ist leider nicht da, nur Lt. Onken, der aber nichts von der Sache weiß. Maiwaldt ist inzwischen auch entlassen worden. Was soll nun mit mir geschehen? Entweder entlässt man mich als den Ältesten der Kompanie ebenfalls, oder aber man schickt mich sofort auf Urlaub, auf den ich unbedingt Anspruch habe, da ich seit 7 Monaten nicht mehr im Hause war. Auf schlechten Straßen fahren wir weiter nach Zedelgem, einem ganz verlassenem Nest. Unser Weg führt uns an einer riesigen Beutesammelstelle vorbei, auf der Hunderte von Geschützen, Protzen und Autos zusammengefahren sind.
In einer kleinen Villa im Ort werden wir einquartiert. Im Vergleich mit dem bisher gewohnten ist hier alles sehr primitiv. Ich habe im Erdgeschoß ein riesengroßes Zimmer, in das ein Bett hineingestellt wird. Am Tage dient derselbe Raum meinem Chef und mir als Aufenthaltsort,
wo wir auch zusammen unsere Mahlzeiten einnehmen.

 
In the morning we set off by car from Knocke, firstly back to Bruges. We sat the in "Swarten Huis" for a long time and then had lunch in a different bar. In the afternoon we continue through Jabbeke to my company in Bekegem. Unfortunately the Captain is not there, just Lt. Onken, who however knows nothing about the matter, Meanwhile Maiwaldt has also been released.   What is to happen to me now? Either they release me too as the oldest in the company, or else they send me on leave immediately, to which I certainly have the right, since I have not been home for 7 months. We drive on bad roads to Zedelgem, a completely abandoned one-horse town. Our route takes us past an enormous collection centre for commandeered goods, where hundreds of guns, gun-carriages and cars are assembled.
We are given quarters in a small villa in the town. Compared with what we have been used to everything is very primitive here. I have a huge room on the ground floor, into which a bed is introduced. By day the same room serves as a sitting-room for my boss and me, where we take our meals together.


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Sonntag, 29. September 2013

29. September 1940

Sonntag. In der letzten wie auch der vorherigen Nacht kamen wieder feindliche Flieger. Die Flak schoß, und Scheinwerfer spielten am Himmel. Bomben fielen aber nicht.
 
Sunday. Last night as in the previous night enemy planes were back. The flak was shooting, and searchlights played on the sky. However no bombs fell.


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Samstag, 28. September 2013

28. September 1940

Mein Chef ist, dem Anraten von Hauptm. Sietz entsprechend, an den Divisionsarzt herangetreten und hat eine Abfuhr erlitten. In dieser Sache ist gar nichts zu wollen. Dieses Stück war wieder bezeichnend für unseren Hauptmann.
 
My superior officer, following Captain Sietz's advice, approached the Divisional doctor and was rebuffed. There is nothing to hope for here. This episode was once again typical of our Captain.


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