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Veuillez noter que les inscriptions au journal figurant à chaque page sont reprises dans l'ordre inverse, la plus ancienne étant en bas de page. Pour voir la toute première inscription de Dieter, commencez ici!

Si noti che le date di inserimento nel diario sono in ordine inverso, si parte da quella a fondo pagina. Per andare al primo giorno del diario di Dieter clicca qui!

Mein Bild
In Mori (Stockelsdorf) bei Lübeck aufgewachsen, habe ich bereits von 1916 bis 1918 am Ersten Weltkrieg im Füsilierregiment "Königin" Nr. 86 teilgenommen. Im August 1939 wurde ich als Veteran in die Wehrmacht eingezogen. In diesem Blog veröffentliche ich mein Kriegstagebuch.
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Montag, 27. Mai 2013

27. Mai 1940 - Jagers te Voet



Mein Zug wurde gestern um 915 Ihr in ein Patrouillenunternehmen verwickelt und konnte sich erst um 1230 Uhr davon frei machen, wobei wir 11 Mann in den Händen des Feindes zurückließen. Einer von meinen Männern, die beauftragt waren, den Rückzug zu sichern, wurde unglücklicherweise von einer Maschinengewehrkugel getötet [Peeters]. „Sie“ waren mindestens zweimal so stark wie wir.
Angesichts dieser Lawine von Verlusten lässt mich der Kommandant durch den Zug des Leutnants Wuille (der an Edgars Stelle getreten ist) ablösen, dem ich eine Gruppe als Verstärkung zurücklasse, und ich gehe in die zweite Staffel zurück. Kaum haben wir uns niedergelassen, werden die mir verbleibenden Männer und ich einem intensiven Feuer ausgesetzt, dem ersten wirklichen Bombardement, und zwar durch Minenwerfer. Meine durch das schwere Unglück am Morgen erschütterten und durch das Feuer demoralisierten Männer ziehen sich schnell zurück. Ich habe nur vier von ihnen zurückhalten können, und zu fünfen hinter einer armseligen Hütte kauernd, haben wir den Sturm über uns hinwegbrausen lassen. Ein Regen von Splittern. -
Nachdem das Feuer vorüber ist, postiere ich meine 4 Mann wieder auf ihren Plätzen und raffe die übrigen wieder zusammen. Alles kehrt zur Ordnung zurück; aber ich habe einen zweiten Toten, den kleinen Flamme, einen braven, stets lachenden Jungen, der der Spaßvogel des Zuges war. Außerdem zwei Schwerverwundete, der Sergeant Léonard und Wathelet.
Im selben Augenblick trifft ein Melder von Leutnant Wuille ein:

Eine Granate ist ihm mitten in die Gruppe eingeschlagen, die ich ihm überlassen hatte.

Tot:
Sergeant Libert und Miserque,

Verwundet:
Korporal Hirsoux (Der Korporal mit dem blauen Papier),
Mahien und
Dehage.

Welche Bilanz für den ersten Kampftag! Vier Tote, fünf Verwundete, elf Vermisste. Bei einer Gesamtstärke von 48 Mann! 40%!

Peeters, Flamme, Libert, Miserque, fromme Hände haben sie auf dem Dorffriedhof von Poesele beigesetzt. – Falls man und ablöst, werden die Überlebenden vor ihrem Fortgehen euch ein herzliches Lebewohl zurufen.-
Und der ganze Zug beklagt euch:
Korporal Gouttière und Dubus, Glinem, Capron, Dessignies, Platbrood, Visein, Delore, Brichart, Bivetcooren, Delcourt, die ihr alle bei einer freiwillig unternommenen Patrouille vermisst wurdet und jetzt tot oder verwundet, auf jeden Fall aber in den Händen des Feindes seid.
Alle waren brave Jungen, voller Fehler, aber auch voller guter Eigenschaften. Sie alle haben uns verlassen.

Ach, ihr lieben Kleinen, wo seid ihr? Wann werden wir wieder zu dreien sein, um nicht mehr vom Krieg und seinen Schrecken zu sprechen! Kleines, Kleines, wenn Du wüsstest, wie ich Dich liebe, wie ich euch liebe!




Dieters Eintragung:

Damit schließt das Tagebuch eines belgischen Leutnants, dessen Name und Anschrift nirgends verzeichnet sind.


Der 27. Mai 1940 war der letzte Kriegstag für die Belgier. Am 28. Mai, morgens 5 Uhr, kapitulierte das belgische Heer. Die Verluste unserer Kompanie am 27. Mai, dem Tage von Poesele, betrugen: 1 toter und 9 Verwundete. Unsere Infanteriegeschütze, die im Bericht erwähnten „minenwerfers“ haben dem Gegner doch mächtig zugesetzt.





Bei den Toten war zu beklagen:

DELCOURT    Robert, A.E.     17/06/1919    Hornu                26/05    Meigem
PEETERS       Georges           15/02/1919    Bray                  27/05    Poesele
FLAMME        Alexandre, J.     06/01/1919    Maurage           27/05   Poesele       
LIBERT           Gaston, J.        03/04/1916    Pâturages        27/05    Poesele
MISERQUE    Georges, L.       14/09/1918    Familleureux    26/05    Poesele


Quelle: http://18daagseveldtocht.wikispaces.com/1e+Jagers+te+Voet




Das Ehrenmal der 1. Jäger in Mons, Avenue Jean d´Avesnes


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My platoon was involved in a patrol operation yesterday  at 9.15 and could only get free of it at 12.20, leaving 11 men in the hands of the enemy. One of my men, who had the responsibility of securing the withdrawal, was unfortunately killed by a machine-gun bullet [Peeters]. “They” were at least twice as strong as us.
In view of this landslide of casualties the Commandant has my platoon relieved by that of Lieutenant Wuille (who has taken Edgar’s place), for whom I leave behind a group as reinforcements, and I go back to the 2nd platoon. We have scarcely settled down when my remaining men and I are subjected to intensive firing, the first real bombardment, from mortars. My men, shaken by the heavy misfortune of the morning and demoralised by the firing, withdraw quickly. I could only hold back four of them and the five of us cowered behind a shed, letting the storm roar over us. Shards rained over us.
After the firing is over, I send my 4 men back to their posts and scrabble the rest together again. Everything gets back as it should be;  but I have a second death, little Flamme, a good lad, always laughing, who was the platoon’s joker. Apart from this two severely wounded, Sergeant Léonard and Wathelet.
At this moment a dispatch from Leutnant Wuille arrives:
A grenade landed in the middle of the group which I had handed over to him:
Killed:
Sergeant Libert and Miserque
Wounded:
Corporal Hirsoux (the Corporal with the blue paper)
Mahien and
Dehage.
What a balance sheet for the first day of fighting!  Four dead, five wounded, eleven missing.   For a total complement of 48 men! 40%!

Peeters, Flamme, Libert, Miserque,  have been decently buried in the village cemetery of Poesele.   If we are relieved, the survivors will say a hearty goodbye before they leave.
And the whole platoon is mourning you:
Corporal Gouttière and Dubus, Glinem, Capron, Dessignies, Platbrood,Visein, Delore, Brichart, Bivetcooren, Delcourt, who were all lost on a voluntary patrol and are now dead or wounded, in any case in enemy hands.
They were all fine lads, full of failings, but also full of good qualities. They have all left us.

Oh, my dear little ones, where are you? When will we three be together again, so that we no longer have to speak of war and its terrors! My little one, little one, if you only knew how I love you, how I love you!


Dieter’s diary entry:
With this ends the diary of a Belgian Lieutenant, whose name and address are not written anywhere.
May 27th was the last day of war for the Belgians. On the 28th of May at 5a.m. the Belgian army capitulated. The losses to our company on May 27th, the Poesele day, comprise: 1 dead and 9 wounded. But our infantry guns, the “mortars” mentioned in the account, really harried the enemy.

Among the dead were mourned:


DELCOURT    Robert, A.E.     17/06/1919    Hornu                26/05    Meigem
PEETERS       Georges           15/02/1919    Bray                  27/05    Poesele
FLAMME        Alexandre, J.     06/01/1919    Maurage           27/05   Poesele       
LIBERT           Gaston, J.        03/04/1916    Pâturages          27/05   Poesele
MISERQUE    Georges, L.       14/09/1918    Familleureux     26/05    Poesele

Source: http://18daagseveldtocht.wikispaces.com/1e+Jagers+te+Voet


FRA IT

Samstag, 25. Mai 2013

25. Mai 1940 - Jagers te Voet



Während wir uns seit 4 Uhr als 3. Staffel in Meigem befanden, haben sich die Liniensoldaten wieder einmal „auf englisch empfohlen“ (welch angemessener Ausdruck!). Denn unsere Freunde, die Tommies sind Spezialisten in diesen ungerechtfertigten Rückzügen.
Heute morgen wurden 65 Mann von … 3 Deutschen gefangen genommen. Die meisten übrigens sind deutschfreundlich, und gerade sie haben uns in die Lage geführt, in der wir uns jetzt befinden.
Auch das III. Batl. der 1. Jäger hat seit Mittag die vordere Linie bezogen, und wir haben soeben den Befehl zum Gegenangriff erhalten. Man ist stolz darauf, ein Jäger zu sein, Kleines, wenn man bedenkt, daß es die erste Operation dieser Art ist, die sich die belgische Armee anschickt, auszuführen.
Die „Eiserne Division“ wird heute abend die Ehre haben. Ich werde an euch beide denken, ihr Kleinen, oft, sehr oft! Ich denke viel an euch und ich leide darunter, Dir nur in diesem Heft schreiben zu können; noch mehr jedoch, daß ich keine Nachricht von Dir erhalte. Denn ich bin sicher, daß Du mir jeden Tag schreibst und Du vor Besorgnis umkommen musst, nichts mehr von Deinem kleinen Gatten zu erfahren. Ein Glück, daß Du Claude bei Dir hast, unsere kleine Claude, die ich vielleicht jetzt schon nicht mehr wiedererkennen würde. Wenn sie größer ist, wenn sie ein junges Mädchen ist, wirst Du ihr erzählen, Kleines, wie wir uns geliebt haben. Erinnerst Du Dich noch an Avignon, an die Provence, an alles, was vorher und nachher war? An die schöne heitere Sonne, die damals schien, als wir noch zu zweit waren und … zukünftig drei! Das Sofa, die Anemonen, die Untergrundbahn, der Tokaierwein, der Zug, alles fällt mir im Grad meiner Erinnerungen zusammenhanglos wieder ein. Es ist süß, Kleines, süß und doch auch trübselig, das wiederzusehen, was man einmal kannte und zu sehen, was man ist…. Bald mehr.
Es wird Abend, und der Gegenangriff wird abgesagt. Begründung: es ist schon zu spät, um die Bewegung zu wagen.
Unsere Artillerie hat einige Schüsse aufs Geratewohl abgefeuert, die dazu führten, die zwei oder drei Pappeln vor uns zu köpfen und eine Granate mitten in meinen Zug zu schicken. Wie durch ein Wunder niemand verletzt!
- Der Krieg, Kleines!



While we were from 4a.m. the third unit in line, the front-line soldiers once more “took
their farewells in English” (what an appropriate expression!) [1].Because our friends, the Tommies, are specialists in these unwarranted retreats.
This morning 65 men were taken prisoner by… 3 Germans. Incidentally most of them are favourable towards Germany, and they are the ones who have led us into the situation in which we now find ourselves.
The 3rdBattalion of the 1stJäger have also moved to the front line since mid-day, and we have just received orders to make the counter-attack. We are proud to be Jäger, little one, when you
consider that this is the first operation of this kind that the Belgian army has been prepared to carry out.
The “Iron Division” will have this honour this evening. I will think of you both, my little ones, often, very often! I think of you often and suffer from the fact that I can only write in this notebook; and even more from the fact that I get no news of you. Because I am sure that you write to me every day, and you must be dying of anxiety that you are hearing nothing from your little husband. How lucky that you have Claude at your side, our little Claude, whom I might not recognise any more. When she is bigger, when she is a young lady, you will tell her, my little one, how we loved each other. Do you still remember Avignon, Provence, everything that happened before and afterwards? The lovely joyful sun, which shone as there were two of us and…. we were to be three! The sofa, the anemones, the underground, the Tokay wine, the train, everything stored in my memories occurs to me once more incoherently. It is sweet, little one, sweet yet also depressing to see again what one once knew, and to see what one is now… Will write more soon.
Evening is drawing in, and the counter-attack is cancelled, Reasoning: it is already too late to risk the manoeuvre. Our artillery has fired off a few shots on the off-chance, which had the result of topping two or three poplars in front of us and sending a grenade into the middle of my platoon. As if by a miracle, no-one was hurt.
That’s war, little one!


[1]
Dieter is translating a French idiom into German, where there is no equivalent. The original French expression might have been “filer à l’Anglaise” = “to do a runner” (literally: to head off in the English manner)
Interestingly, however, the equivalent in English is “to take French leave” = “Abschied nach französischer Art nehmen” (= “sich davonmachen”)



  FRA IT

Freitag, 24. Mai 2013

24. Mai 1940 - Jagers te Voet



Wieder einmal wurde die 5. Inf. Division „befehlsgemäß“ geschlagen. Die Deutschen sind in Gent und Deinze, und um nicht Gefahr zu laufen, abgeschnitten zu werden, müssen wir uns aufs neue zurückziehen. Ein Offizier des Bataillons ist gefallen, der Unterleutnant Simon, der mich in der Vorpostenstellung ablösen sollte.


Yet again the 5th Infantry Division was defeated "as ordered". The Germans are in Ghent and Deinze, and in order not to risk being cut off we have to withdraw again. One battalion officer has been killed , Second Lieutenant Simon, who was supposed to relieve me in the forward position.

FRA IT





11/III     SIMON, Jules     OLt     25/11/1914     Wasmes     23/05     Eke

Quelle: http://18daagseveldtocht.wikispaces.com/1e+Jagers+te+Voet



Mittwoch, 22. Mai 2013

22. Mai 1940 - Jagers te Voet



Vorgestern habe ich mehr denn je zuvor an Dich gedacht. Gegen 7 Uhr wurde ich zum Kommandanten gerufen, der mich dazu bestimmte, die Ablösung eines Vorpostens vorzunehmen mit der Aufgabe, 600m vor den Linien mit 30 Mann bis zum äußersten Widerstand zu leisten, ganz gleich gegen wen. Ich hatte dir ein paar Zeilen geschrieben, wobei ich glaubte, daß es die letzten seien.
Ich war aber doch sehr überrascht, in einem ruhigen Abschnitt zu kommen. Allerdings mussten wir fünf Bomben einstecken, die einer als Artilleriebeobachtung hergerichteten Mühle gelten sollten. Und von Zeit zu Zeit gab es einen MG-Überfall oder Gewehrschüsse.
Eine meiner Patrouillen hatte das Glück, 4 Deutsche zu sehen, die … einen guten Kilometer entfernt waren. Das sind die Begünstigten.
Um 9 Uhr abends Befehl des sofortigen Rückzuges. Die Engländer hatten bei Oudenarde versagt, und man befürchtet die Umklammerung.
Mitten im Nebel Überschreiten der Schelde auf einem Laufsteg. Wir hatten einen aufregenden Alarm: 25 Minuten lang haben uns 9 Messerschmitt ohne Unterlaß, während wir und in voller Arbeit befanden, mit MG-Feuer bestrichen. Ich bewegte mich dauernd um eine dicke Pappel, die mich vor den Kugel schützte: ein richtiges „Katz und Maus-Spiel“.
Es scheint, daß der deutsche Vorstoß bei Arras und Cambrai zum Stehen gebracht ist. Aber sie haben die Schelde bei Oudenarde überschritten. Famose Soldaten!
Es ist nicht möglich zu schreiben. „Reorganisation der belgischen Feldpost“, sagte der Heeresbericht. Ich habe vielmehr den Eindruck, daß diese Herren von dem deutschen Vormarsch überrascht wurden.
Ich hoffe, daß es hinsichtlich des Schreibens mit euch beiden nicht ebenso ist, daß ihr Zeit hattet, euch aus dem Staube zu machen und daß ich eines Tages gelegentlich eines Urlaubs euch wiedersehe. Es wäre so schön, wenn wir drei wieder zusammen wären. Aber noch kommen Tage und Tage, da ich ohne Nachricht von Dir sein werde. Denkst Du daran, wenn Du schreibst, Deine Anschrift auf jeden Deiner Briefe zu setzen? – Wenn nicht, wäre das ein Verhängnis.



Die Schelde östlich Deize, Blick nach Westen
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The day before yesterday I thought of you more than ever. At about 7 I was called to the commanding officer, who gave me the responsibility of relieving an outpost with the order that I should offer the utmost resistance against anyone at all,  600m in front of the lines with 30 men.  I had written you a few lines, thinking they were the last.
But I was astonished to arrive in a quiet sector. Admittedly we had to cope with five bombs which were intended for a mill which was being used for artillery observation. And now and again there were machine-gun attacks or rifle shots.
One of my patrols was lucky enough to see 4 Germans, who…. were a good kilometer away.   They are the fortunate ones.
At 9pm order for immediate withdrawal. The English have given way near
Oudenarde, and they are afraid that we will be surrounded.
In thick fog cross the Scheldt on a footbridge. We had an exciting alarm:  for 25 minutes 9 Messerschmitts machine-gunned us without cease, while we were hard at work. I kept moving round a thick poplar, which protected me from the bullets: a real cat and mouse game.
It seems that the German advance has been halted near Arras and Cambrai. But they have crossed the Scheldt near
Oudenarde. Splendid soldiers!
It is not possible to write to you. “Reorganisation of Belgian Forces’ Mail” said the army announcement. I have much more the impression that these gentlemen were taken by surpise by the German advance.
I hope that in the concerning writing it has not been like that for you, that you had time to get out and that I will see you again one day when I have leave. It would be so lovely if the three of us were together again. But many days will still come when I will be without news of you. Do you remember when you write to put your address on every one of your letters? If you don’t, that would be a disaster.


FRA IT

Montag, 20. Mai 2013

20. Mai 1940 - Jagers te Voet



Ich habe endlich ein wenig Zeit, diese Zeilen wieder aufzunehmen, Seit dem 17., um 3 Uhr, verteidigt sich die Jägerdivision heldenmütig,… verkündet der Rundfunk. In Wirklichkeit ziehen wir uns seitdem in Eilmärschen in Richtung auf die Schelde zurück. Man sucht das Weite, türmt und türmt, ohne die geringste Hitleruniform entdeckt zu haben. Zweimal haben wir Laufschritt machen müssen, um die Brücken vor ihrer Sprengung zu überschreiten.
Bei Vilvorde und Alost besetzen die Deutschen eine Viertelstunde nach unserem Passieren die Uferböschung.
Brüssel ist somit Nazi. – Ich gäbe viel darum, Dich in Frankreich zu wissen; wenigstens könnte ich von dort aus Nachricht von dir erhalten. Es bleibt nichts anderes, als entmutigt abzuwarten, abzuwarten.
Augenblicklich bin ich beim Durchlesen meiner Zeilen und stelle fest, daß ich eine wesentliche Tatsache vergessen habe:  Wir hatten in der Kompanie den ersten Verwundeten des Regiments, was nicht viel besagen will, für mich selbst aber sehr viel bedeutet; denn dieser Verwundete ist Edgar. Ein Schrapnellsplitter hat ihm das Bein durchbohrt. Übrigens nichts Schlimmes. Er weinte vor Wut, der arme Junge. Dennoch hat er Glück gehabt! Denn er hat nicht gesehen, wie die Überbleibsel dieser ehemaligen Regimenter sich die Straßen entlang schleppten: schmutzig, vertiert, abgestumpft, ohne Spannkraft nur noch mit dieser fixen Idee marschierend; vor „ihm“ an der Brücke zu sein, die Schelde zu erreichen, sich nach Frankreich aus dem Staube zu machen. Und um das zu erreichen, ließ man alles im Stich, Tornister, Munition, Waffen.
Vor der Schelde macht man „Halt“. Man macht kehrt, ohne den Fluß überschritten zu haben. Moral: null.
Nach einer guten Ruhepause geht es heute glücklicherweise schon alles besser. Noch einmal 24 Stunden Ruhe, und wir werden uns gut verteidigen.
Gleichwohl sehe ich dich und unsere Tochter wieder. Welches Glück für mich, daß ich einige Aufnahmen von euch beiden bei mir trage.-
Sonst…!
.



I finally have a little time to pick up these notes again. Since the 17th at 3a.m. the Jäger Division has been defending itself heroically… according to the radio.   In fact we have since then been retreating at all speed back towards the Scheldt. We look for the wide open spaces, rush and rush, without having seen a single Nazi uniform. Twice we had to break into a run in order to get across bridges before they were blown up.
Near Vilvorde and Alost the Germans occupy the embankment just quarter of an hour after we have passed.
And so Brussels is Nazi. I would give my eyeteeth to know that you were in France;  at least I could get news of you from there. There’s nothing for it but to wait, and wait, dispirited.
Right now I am re-reading what I have written and realise that I have forgotten a significant fact:  in the company we had the regiment’s first casualty, which isn’t significant except that it means a lot to me personally;  because this casualty is Edgar. A piece of shrapnel went through his leg. Apart from that nothing serious. He was weeping with rage, the poor boy. And yet he was lucky!  Because he didn’t see how the remains of this former regiment trudged along the streets: dirty, brutish, indifferent, with no resilience but just marching with this idée fixe; to get to the bridge before "he" does, to reach the Scheldt, to leg it to France.  And in order to achieve this, they left everything behind, knapsacks, ammunition, weapons.
At the Scheldt they have to halt. They turn around, without having crossed the river. Morale:  zero.
After a good rest break everything is going better today, thank goodness. Another 24 hours rest and we will give a good account of ourselves. 
Nonetheless I look at you and our daughter again. What a joy for me, that I carry a few photos of the two of you with me –
Otherwise…!




FRA IT

Mittwoch, 15. Mai 2013

15. Mai 1940 - Jagers te Voet



Die ganze Nacht hat die Artillerie verbotswidrig geschossen. Während der Feuerpausen trillerte die Nachtigal. Endlich gelang es mir, in einer Glücksecke einzuschlafen. Man gewöhnt sich ganz sachte an den Krieg.
– Unsere Koffer sehen wir sicherlich niemals wieder. -
Ach! Es ist nicht der Koffer wegen; aber es ist nur schade um meinen Wecker und den Spiegel der Kleinen, die ich in meinem Koffer vergessen habe.
Die Liniensoldaten haben den Stoß am Kanal nicht abgehalten. Seit drei Tagen Fluten sie auf gut Glück zurück, wobei die meisten nicht einmal einen einzigen deutschen Soldaten gesehen haben. Was werden die Jäger machen?

Seit gestern stehen wir bei Wygmael [Wijkmaal], 4km von hier in Feindberührung. Die Jägerdivision erwartet den Feind.
Über uns hinweg rollen die Granaten, rollen und verschwinden in Richtung auf den Angreifer. Wenn wir nicht standhalten, wird Brüssel ohne Zweifel fallen.
Und Du, mein Kleines, was wirst Du machen? Wenn Du nicht schon inzwischen mit unserer Claudine abgereist bist! – Falls nicht, …!
Ich küsse Dich herzlich, vielleicht zum letzten Male, euch beide, alle.
 

 
Throughout the night the artillery fired contrary to the ban. During pauses in the firing the nightingale warbled. I finally managed to get to sleep in a quiet corner. You gradually get used to war. 
-We will certainly never see our cases again - Oh - it's not because of the cases, but it's just a shame about my alarm and the little one's mirror which I lost with my case.
The front-line soldiers have not held off the push at the canal. What will the riflemen do? 
Since yesterday we have been stationed near Wygmael [Wijkmaal], 4km from engagement with the enemy. The rifle division is expecting the enemy. 
Shells are spinning over us, spinning and disappearing* in the direction of the attacker. If we don't hold out, Brussels will definitely fall.
And you, my little one, what will you do?   Unless you have meanwhile set off with our little Claudine! - If not.... ! I kiss you lovingly, perhaps for the last time, both of you, all of you.


FRA IT

Montag, 13. Mai 2013

13. Mai 1940 - Jagers te Voet



Am liebsten hätte ich den Herrn gleich bei seiner Rückkehr angeredet; aber mein Herz schlug und schlug! – Welches Glück! Er hatte einige Zeilen von Dir, gute Nachrichten, Worte voller Hoffnung.
Alles geht jetzt seinen Gang, nun da Du immer bei mir bist. Wir werden uns wiedersehen, Kleines, dessen bin ich gewiß. Und von Zeit zu Zeit werde ich einen Brief von euch beiden erhalten, aus dem ich nur eins ersehen werde, daß Du mich liebst und daß Du da bist.
Und Claude, die alle Rekorde schlägt! Sie wird zweifellos ein netter Wildfang sein, wenn ich wieder bei euch bin.


I would have loved to speak to the landlord as soon as he returned, but my heart was beating so fast! What joy! He had a note from you, good news, words full of hope.
Everything is going fine, now you are always with me. We will meet again, my little one, of that I am sure. And now and again I will get a letter from you both, from which I will see that you love me and you are there.
And Claude, who is beating all records! She will without doubt be a lovely madcap when I am with you again.  

 


  FRA IT

Sonntag, 12. Mai 2013

12. Mai 1940 - Jagers te Voet



Auf der Brücke von Tildonck. Ich versuche, mir ein Bild von der Lage zu machen; aber es ist schwierig. In mir spüre ich Gelassenheit und Kraftlosigkeit, Besorgnis um Euch beide und die Gewissheit, daß Claude und Du in Sicherheit seid. Ich habe seltsame, ganz seltsame Gefühle.
Ich habe versucht, mit den Tommies zu plaudern. Es gelingt mir nicht einmal, „yes“ zu sagen. Der Herr, bei dem ich wohne, fährt mit einigen Zeilen von mir nach Brüssel. Er hat mir versprochen, bei euch vorzugucken. Zum mindesten werde ich etwas Bestimmtes erfahren. Ich warte.
.


 
On Tildonck Bridge. I try to get a clear picture of the situation, but it is difficult. I feel in myself equanimity and powerlessness, concern for you both and the certainty that Claude and you are in safety. I have strange, very strange feelings.  
I have tried to chat to the Tommies. I can't even manage to say "yes". The man with whom I am staying is taking some lines from me to Brussels. He has promised me that he will look in on you. At least I will learn something definite. I wait.
 
Die Brücke von Tildonck heute

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FRA IT

Samstag, 11. Mai 2013

11. Mai 1940 - Jagers te Voet



Gestern war wunderschönes Wetter, und dabei ist es Krieg. Sonst wärest Du in einigen Stunden ganz nahe bei mir gewesen, um mir von Claude zu erzählen, unserer Claude, die mit den Füßen strampelt und vor sich hinplappert und Dir so anziehende und zugleich schalkhafte Erinnerungen verschafft.
Ich war 7 Jahre alt, als Papa aus dem Krieg zurückkehrte; ich glaube nicht, daß ich ihn geliebt habe. Wenn ich euch wiedersehe, wird es mit Claude und mir vielleicht dasselbe sein …, falls ich euch wiedersehe. Darüber habe ich heute morgen ganz alleine geweint.
Bei unserer Abfahrt von St. D. war Mama mit Marie da. Sie war ruhig und tapfer. Wenn sie Dir wenigstens Nachricht von mir geben könnte. Vielleicht könnte ich durch sie mit Dir in Verbindung kommen, falls du meine Briefe nicht erhältst. Denn ich hoffe, daß Du Brüssel hast verlassen können, ganz gleich wohin, ganz gleich.



Yesterday the weather was glorious and yet we are at war. Otherwise you could have been at my side in a few hours, to tell me about Claude, our Claude, who waves her feet about and babbles away and creates for you memories that are so appealing and yet at the same time mischievous.  
I was 7 years old when Dad returned from the war;  I don't think that I loved him. Perhaps when I see you again it will be the same with Claude and me....  if I do see you again. I cried about this when I was alone this morning.
When we left St. D. Mother was there with Marie. She was calm and brave. If she could at least give you news of me. Maybe I could contact you through her, in the event of you not receiving my letters. Because I hope that you have been able to leave Brussels, wherever you have managed to get to, anywhere else is fine.



FRA IT

Freitag, 10. Mai 2013

10. Mai 1940 - Jagers te Voet




 450 Uhr Generalalarm.

At 4.50am general alarm.


FRA IT