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In Mori (Stockelsdorf) bei Lübeck aufgewachsen, habe ich bereits von 1916 bis 1918 am Ersten Weltkrieg im Füsilierregiment "Königin" Nr. 86 teilgenommen. Im August 1939 wurde ich als Veteran in die Wehrmacht eingezogen. In diesem Blog veröffentliche ich mein Kriegstagebuch.

Dienstag, 10. September 2013

10. September 1940

Auf der Schelde kommen immer neue Schiffe an; die Kästen werden immer größer. Sogar Kriegsschiffe liegen jetzt vor unserer Nase. Es ist ein tägliche Kommen und gehen, das auch dem Fein anscheinend nicht verborgen bleibt. Am Nachmittag erscheint ein englischer Aufklärer, der ohne Erfolg beschossen wird. Abends spät, als wir schon in den Betten liegen, kommt ein britischer Bomber, der unaufhörlich über uns kreist und Leuchtbomben abwirft.
Wir ziehen uns an und gehen in unseren „Keller“. Da fallen auch schon die ersten Bomben,- es sind 5. Glücklicherweise sind sie weit weg vom Ort zu Boden gesaust. Da uns unten die Zeit zu lang wird, steigen wir wieder nach oben. Der Flieger ist aber immer noch nicht weg. Aus dem Fenster beobachte ich die Scheinwerfer und das Schießen. Endlich zieht der Tommy ab. Zugleich kommt ein Sturm auf. Vielleicht ist er des Wetters wegen abgedreht.

 
New ships keep arriving on the Scheldt; the containers are getting bigger and bigger. Even warships are lying right under our noses. There is a daily coming and going, which doesn't even seem to be hidden from the enemy. In the afternoon an English spotter plane appears, which is shot at without success. Late in the evening, when we are already in bed, a British bomber comes and circles above us constantly, throwing flares. 
We get dressed and go into our "cellar". The first bombs are already falling - there are 5 of them. Fortunately they shoot to the ground far away from our location. Since we are getting bored down there, we go upstairs again. But the plane has not yet gone. I watch the searchlights and shooting from the window. Finally the Tommy leaves. At a same time a storm gets up. Maybe he veered off because of the weather.


FRA IT

Sonntag, 8. September 2013

8. September 1940

Sonntag. Während des Vormittags ist es noch ganz schön; am Nachmittag wird es kalt, und es fängt an zu regnen. Originell sind die alten Trachten der Fischerinnen und Bäckerinnen, die aber nur von älteren Frauen getragen werden. Seit 8 Tagen erhalte ich die erste Post von meiner Frau. Die Unregelmäßigkeit in der Postzustellung ist kaum zu verstehen.
 
Sunday. It continues quite pleasant during the morning; in the afternoon it turns cold and starts to rain. The old traditional costumes of fisher-wives and baker-women are original, but are now worn only by elderly women. I get my the first mail in a week from my wife. There is no accounting for the irregularity of the postal delivery.


FRA IT

Samstag, 7. September 2013

7. September 1940

Unaufhörlich passieren Kähne und Schiffe aller Art unseren Ort, die alle aus Deutschland kommen und mit deutschen Matrosen und Soldaten bemannt sind. Das geht nun schon tagelang so.
Durch die Kanäle geht es weiter nach Ostende oder aber auch die Schelde abwärts in die See. Ob das große Unternehmen gegen England doch noch losgehen soll? Es ist interessant zu sehen, wie die großen Kähne alle gleichmäßig für einen bestimmten Einsatz hergerichtet sind. In dem kleinen idyllischen Städtchen gefällt es mir sehr gut. Schön ist ein Spaziergang auf den Deichen. Mit dem Leben im Hotel bin ich sehr zufrieden. Die Verpflegung ist ganz großartig und sehr reichlich. So gut habe ich es bislang noch an keiner Stelle während des Krieges gehabt.

 
Barges and ships of all kinds are constantly passing through our town, all coming from Germany and manned by German sailors and soldiers. It has been going on like that for days.
From the canals they go on to Ostend or else down the Scheldt to the sea. Is the great operation against England going to start after all? It is interesting to see how the big barges are all equally equipped for specific deployment. I am greatly enjoying life in this idyllic little town. A walk on the dykes is pleasant. I am very satisfied with life in the hotel. The catering is quite excellent and very plentiful. Things have not been good as this anywhere so far during the war.


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Freitag, 6. September 2013

6. September 1940

Am Vormittag mache ich mit dem Sonderführer einen Bummel durch Brügge. Um 4 Uhr nachmittags fahren wir mit dem Auto fort. Bei Sluis kommen wir über die holländische Grenze. 515 Uhr treffen wir an unserem neuen Bestimmungsort Terneuzen ein, einem hübschen kleinen Städtchen an der Westerschelde. Hier hat der Tommy vorgestern 19 bomben abgeworfen, um die Schleusen zu zerstören. Der angerichtete Schaden ist gering. 2 Häuser sind schwer getroffen, und es hat einige Tote und Verwundete gegeben.
Mit dem Sonderführer werde ich in dem besten Hotel des Ortes, „Grand Hotel Rotterdam“, untergebracht. Ich bekomme ein sehr schönes Zimer im 2. Stock, das sauber und nett eingerichtet ist. In Terneuzen liegt die Radfahr-Aufklärungs-Abt. 225, bei der morgen unser Lehrgang beginnen soll. Von meinem Fenster aus schaue ich über den Kanal und die Schelde, die hier beträchtlich breit ist. Leider ist das Leben in Holland bedeutend teurer als in Belgien. In meinem Protemonnaie ist eine merkliche Lücke entstanden.

 
Quelle: http://www.neuzeninterneuzen.nl/
In the morning I have a stroll through Bruges with the Specialist Officer. At 4p.m. we set off in the car. We cross the Dutch border near Sluis. At 5.15 we reach our new base at Terneuzen, a pretty little town in the Western Scheldt. The Tommies dropped bombs here the day before yesterday in order to destroy the locks. They didn't cause much damage. 2 houses were badly hit and there were a few dead and wounded.
With the Specialist Officer I am put up in the best hotel in the town, the "Grand Hotel Rotterdam". I get a very attractive room in the 2nd floor, clean and nicely equipped. The 225th Cycle Intelligence Division is stationed in Terneuzen, and the course is to start for them tomorrow. From my window I look out over the canal and the Scheldt, which is impressively wide here. Unfortunately life is significantly more expensive in Holland than in Belgium. A noticeable hole has emerged in my wallet.


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Donnerstag, 5. September 2013

5. September 1940

Wir schließen den Lehrgang. Am Vormittag ist ein wüstes Geschieße der Flak nach Zielscheiben, die von einem Flugzeug nachgezogen werden.
Außerdem hört man viele Abschüsse schwerer Artillerie. Es heißt, daß England beschossen wird. Um 2 Uhr fahre ich mit dem Sonderführer im Auto nach Brügge. Im Hotel „St. Hubert“ beziehen wir Unterkunft. Mein Zimmer gefällt mir.

 
We conclude the course. In the morning there is crazy flak shooting at targets trailed by an aircraft. 
Apart from that we hear a lot of firing by heavy artillery. They say that England is being shelled.   At 2 I go by car to Bruges with the specialist leader. We take up quarters in the Hotel St. Hubert.


I am pleased with my room.


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Mittwoch, 4. September 2013

4. September 1940

Der General hat sich zum Besuch unseres Lehrgangs angemeldet. Statt seiner kommt in Vertretung Hauptm. Plöcker vom Divisionsstab. Er wohnt dem Unterricht bei und findet anscheinend gefallen daran.
Es klappte auch alles tadellos. Abends vereinigen sich alle Kursteilnehmer zu einem Abschiedstrunk bei dem Italiener Breda. Er und seine Familie sind allesamt äußerst nett und liebenswürdig. In seinem Lokal haben wir uns immer wohlgefühlt. Die Nacht bringt uns Fliegeralarm. Scheinwerfer spielen am Himmel, und die Flak schießt ganz anständig. Bomben fallen nicht.
Heute und gestern haben wir viele Schiffe im Geleitzug nach Westen fahren sehen. Sind Vorbereitungen im Gange?

 
The General announced that he was going to visit our course. Instead of him Captain Plöcker arrives from the divisional staff in his place. He attends the lesson and seems pleased with it.
Everything else went perfectly too. In the evening all those taking part in the course get together for a farewell drink at Breda's, the Italian's. He and his family are all extremely nice and likeable.  We have always felt comfortable in his bar. The night brings air-raid alarms.   Searchlights play on the sky, and the flak shoots really decently. No bombs fall.
Today and yesterday we have seen many ships heading westwards in convoy.  Are preparations under way?


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Sonntag, 1. September 2013

1. September 1940

Sonntag. Am Nachmittag fahre ich mit einigen Kameraden mit der Tram nach de Panne. In einer sehr netten und gemütlichen Pâtissierie trinken wir Kaffee und futtern für wenig Geld herrliche Torte. Der Ort gefällt mir sehr. Er liegt ganz nahe der französischen Grenze, halbwegs zwischen Nieuport und Dünkirchen. In den Strassen herrscht ein geschäftiges Treiben. 
Der Strand bei Dünkirchen - the beach at Dunkirk
Von den vielen Autos, Geschützen und Fahrzeugen, die die Engländer vor einigen Monaten bei ihrer Flucht vom Festland zurückgelassen mussten, ist nichts mehr zu sehen. Alles ist inzwischen abgeschleppt worden. Nur hier und dort tauchen einige Masten aus dem Wasser empor, und vor Dünkirchen sieht man einige Wracks ehemaliger englischer Kriegsschiffe liegen.
 
Sunday. In the afternoon I go by tram with some pals to de Panne. In a very nice cozy cake shop we have coffee and for very little money enjoy glorious cake. I like the place very much. It is very near the French border, half-way between Nieuport and Dunkirk. There is a lot of bustling activity in the streets.

There is nothing left to see of the many cars, guns and lorries which the English had to leave behind last month in their flight from the Continent.   Since then everything has been carted away.   Only here and there a few masts show above the water, and in front of Dunkirk you can see where some wrecks of former English warships are lying.
(Photo - )


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