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Mein Bild
In Mori (Stockelsdorf) bei Lübeck aufgewachsen, habe ich bereits von 1916 bis 1918 am Ersten Weltkrieg im Füsilierregiment "Königin" Nr. 86 teilgenommen. Im August 1939 wurde ich als Veteran in die Wehrmacht eingezogen. In diesem Blog veröffentliche ich mein Kriegstagebuch.

Samstag, 15. Juni 2013

15. Juni 1940

Vormittags ½ 10 Uhr trifft die Kompanie ein. Wir fahren mit unserem Auto kurz vor Mittag nach Cambrai, um dort beim A.V.L. Käse für die Kompanie aufzutreiben, haben aber keinen Erfolg. Wir fahren nach Masnières zum Verpflegungsempfang. Unterwegs kommen wir durch Rumilly; schöne Erinnerungen verbinden mich mit diesem Ort, in dem ich 1917 lange Zeit im Quartier war. Das Dorf ist völlig neu aufgebaut und nicht wiederzuerkennen. Ich erkundige mich nach Familie Sensé; man vermag mir aber keine Auskunft zu geben. Damals mußte der Ort geräumt werden, und die meisten Evakuierten sind nicht nach Rumilly zurückgekehrt.

Rumilly-En-Cambrésis heute


Größere Kartenansicht 

 
At 9.30 a.m.the company arrives. Shortly before mid-day we take our car to Cambrai, in order to get hold of some cheese at the provisions base, but without success. We go to the provisions distribution centre in Masnières. On the way we drive through Rumilly; pleasant memories link me to this town, where I was  billeted for a long time in 1917. The village has been completely reconstructed and is unrecognisable. I ask for information about the Sensé family; but no-one can tell me anything. At the time the town had to be evacuated and most of the evacuees did not return to Rumilly.




FRA IT

Freitag, 14. Juni 2013

Durchmarsch


Mountain troops with ponies head
westwards in crowds like giant herds
to capture the Vosges ridge is their intent
and each man to defend himself to the end

So conduct of the war is right
the anti-tank gun is quite vital
Hitched to lorries many such guns have found
Their way through our town.



The Blitzkrieg is well known to us indeed
Engines help conquer enemy land at speed
But do beware, when they are then set free,
there's no resistance to their wild careering
Through the narrow streets of folk like you and me,
So run, instead of strolling, stopping, staring.



"Better safe than sorry" they advise,
and so that you avoid the airmens' eyes
the German forest is the place to hide
and paint yourself both brightly-hued and pied.



FRA IT

14. Juni 1940

Unsere Nachtruhe war nur von kurzer Dauer. Schon zu früher Morgenstunde müssen wir hoch, da die Kompanie eintrifft. Mit einer jungen Belgierin, die aus Tournai stammt, deren Elternhaus von Bomben zerstört ist und die wie Tausende von ihren Landsleuten nach Frankreich geflohen war, habe ich eine nette Unterhaltung über belgische Politik. Sie gehört der nationalistischen Partei Ornat (Hornat?) an, die nach Hitler und Mussolini ausgerichtet ist, und weiß gut Bescheid über deutsche und italienische Verhältnisse. „Mein Kampf“ hat sie in französischer Übersetzung gelesen. Ich habe in sprachlicher Hinsicht bereits viel dazu gelernt; die Geläufigkeit im Französichparlieren wird von Tag zu Tag besser. Nachmittags kommt plötzlich der Befehl zum Abmarsch. Eine große Tour steht uns wieder bevor. Es geht über Tournai, Hollain, bei Maulde über die belgisch-französische Grenze, weiter über Thun, Nivelle, St. Amand, bei Hasnon über die Scarpe, dann über Wallers, Hellesmes, Denain (Weltkrieg!), Lourches, Mastaing, Iwuy, Cambrai, Niergnies, Forenville nach Sérangoillers.

[Karte]

Cambrai ist sehr zerstört. Die Gegend zwischen Denain und Cambrai und darüber hinaus ist mir gut bekannt. Neben dem kleinen Ort Sérangoillers, in dem wir Quartier machen, liegt ein ehemaliger französischer, jetzt deutscher Flugplatz. Viele französische Flugzeuge liegen zerstört am Boden.
Ich quartiere mich mit einigen Kameraden im Dachgeschoß des Schlosses ein und habe eine wunderschöne Matratze. Es gelingt mir, französischen Rotwein aufzutreiben, der uns allen gut schmeckt. Trotz der Ermahnung vor feindlichen Fliegerangriffen auf der Hut zu sein, die in der letzten Zeit wegen des nahen Flugplatzes sich öfter ereigneten, passiert nichts. Wir schlafen vortrefflich.

 
Our night's rest didn't last long. Early in the morning we have to get up as the Company is arriving. I have a pleasant conversation about Belgian politics with a young Belgian woman from Tournai, whose family home has been destroyed by bombing and who like thousands of her compatriots have fled towards France. She belongs to the nationalist party called Ornat (Hornat?) which is aligned with Hitler and Mussolini, and knows a lot about German-Italian relationships. She has read "Mein Kampf" in the French translation. In linguistic terms I have already learned a lot that is new; my fluency in French conversation gets better every day. Suddenly in the afternoon we receive the command to march on. Another great trek lies before us. It takes us through Tournai, Hollain, via Maulde over the Belgian-French border, on through Thun, Nivelle, St. Amand, via Hasnon over the Scarpe, then through Wallers, Hellesmes,Denain (1st World War!), Lourches, Mastaing, Iwuy, Cambrai, Niergnies, Forenville to Sérangoillers.

Cambrai is badly destroyed. The area between Denain and Cambrai and beyond is well known to me. Near the small town of Sérangoillers, where we take up quarters, there is a formerly French airfield, now German. There are many destroyed French planes on the ground.
I and a few fellow-soldiers have quarters in the attic floor of the castle, and have wonderfully good mattresses. I manage to get hold of some French red wine, which we all enjoy. Although we are warned to be alert for enemy air attack, which has recently occurred frequently because of the nearby airfield, nothing happens. We sleep wonderfully.


FRA IT

Donnerstag, 13. Juni 2013

Churchill




















England's lying is well-known and
Churchill is cursed through all the land
Already arguments around us storm
Which mode of death's for him, when it's his turn?


FRA IT

13. Juni 1940

Nachdem wir uns sehr herzlich von der Familie Laevens verabschiedet haben, erfolgt um 6 Uhr morgens der Abmarsch der Kompanie. Der motorisierte Teil der Kompanie fährt voraus. Wir fahren über Torhout, wo viele Zerstörungen sind. Besonders die Kirche hat schwer gelitten. In Beveren machen wir Quartier für die Kompanie. Ich habe bereits ein tadelloses Zimmer mit prima Bett für mich erobert, als wir hören, daß wir hier nicht bleiben sollen. Nach Mittag fahren wir mit unserem Auto zum Verpflegungsempfang nach Rousselaere. Nach dem Empfang suchen wir mit unserem Auto eine Reparaturwerkstatt auf; einige Zündkerzen müssen erneuert werden. In der Stadt haben Fliegerbomben schweren Schaden angerichtet. Es hat viele Tote unter der Zivilbevölkerung gegeben.
[Karte]

Mit Clasohm besuche ich den Ehrenfriedhof für die Gefallenen von 1914/15. Etwas 1500 deutsche Gräber sind hier. Die einfachen schwarzen Kreuze sind mit Namensaufschrift, Geburtsdatum und Todestag versehen. Der Gesamteindruck der Anlage ist wunderhübsch. Eine große steinerne Pyramide mit Gedenkinschrift in deutscher Sprache und den Namen der hier beigesetzten erhebt sich vor dem Ehrenhain.
Nicht weit davon liegt der Friedhof für die gefallenen Belgier, daneben der für die Engländer und zwei kleinere für die dort beigesetzten Franzosen. Nach der Rückkehr vom Kirchhof treffen wir zufällig auf die kleine Kolonne unserer Autos, denen wir uns anschließen. Die Weiterfahrt geht über Rumbeke, Kachtem, Iseghem, Ingelmunster, Knurne nach Kortriyk. Die gesprengten Brücken über die Lys sind durch Notbrücken erstetzt. Der Weg über unsere Brücke führt uns quer durch einen Tennisplatz. Weiter geht es über Kooigem, Warcoing, Pecq, Rameignies, Chin, Froyennes nach Tournai. Hier lagen wir über längere zeit im 1. Weltkrieg. Die herrliche Kathedrale scheint vom Krieg unberührt zu sein; aber  längst der Schelde ist alles zerstört; sämtliche Brücken sind gesprengt. Überall erblicken wir scheußliche Spuren der stattgehabten Kämpfe. Schon unterwegs waren mir englische Soldatengräber aufgefallen. Nach Aussage der Bewohner haben die Tommies sich überall schrecklich aufgeführt, und es herrscht bei allen Leuten eine große Erbitterung über sie. Hier machen wir Quartier, wobei es immer meine Aufgabe ist, die Hauptarbeit zu leisten. Man spricht nicht mehr flämisch; hier wohnen Wallonen. Nun hilft nur noch die französische Sprache. Wie mir Einwohner erzählen, haben die Engländer 3 Zivilisten erschossen, weil sie der Aufforderung zu flüchten nicht nachkommen wollten. Nach Aussage der Bewohner haben die Briten fürchterlich gehaust, sinnlos geplündert, gestohlen und Eigentum vernichtet. Ich bin abends rechtschaffen müde und lege mich ins Stroh.

 
After we said a warm goodbye to the Laevens family the Company succeeded in setting off at 6a.m. The motorised section of the Company leads.   We drive through Torhaut, where there has been much destruction. The church in particular has suffered badly. In Beveren we establish quarters for the Company. I have just claimed an impeccable room with an excellent bed for myself when we hear that we are not to stay here. At around mid-day we take the car to the provisions centre in Rousseolaere. After we do the pick-up we look up a garage; some spark-plugs need to be replaced. In the town bombers have done a lot of damage. There have been many deaths among the civilian population.
[Map]

With Clasohm I visit the military cemetery for the dead of 1914/15. There are aroung 1500 German graves here. The simple black crosses show name, date of birth and date of death.   The overall impression of the setting is very lovely, A great stone pyramid with memorial inscription and the the names of those buried here rises in front of the grove of honour.
Not far from here lies the cemetery for the fallen Belgians, and after that the one for the English and two smaller ones for the French. After we return from the cemetery we meet by chance a small column of our vehicles, and we join it. The journey continues through Rumbeke, Kachtem, Isegheim, Ingelmunster, Knurne to Kortriyk. The blown-up bridges over the Lys are replaced with temporary bridges. Our route over the bridges takes us straight through a tennis court.  We go on through Kooigem, Warcoing, Pecq, Rameignies, Chin, Froyennes to 
Tournai.  We were here for a long time during the 1st World War. The glorious cathedral seems untouched by the war; but along the Schelde everything is destroyed; all the bridges are blown up. Everywhere we see horrible traces of the fighting which took place here. Even as we were travelling English graves struck me. According to what the locals say the Tommies behaved terribly, and all feel very bitter towards them. We set up quarters here, at which point it is always my responsibility to do most the work. They don’t speak Flemish any more; here live Walloons. Only the French language is any use now According to what the locals  tell me the English shot 3 civilians here because they did not want to follow the order to flee. As the inhabitants tell it, the British lived in a horrible way, plundered senselessly, stole, and destroyed possessions. I am justifiably tired in the evening and lie down on the straw.


FRA IT

Montag, 10. Juni 2013

Italien





















For weeks the press has seen what is to come
with gossipy enthusiastic tongue:
“A neutral Italy we’ve had for far too long
No longer do we want to be alone.
The empire is both strong and large enough
to be enraged at England’s so-called toughs”
Whoever doubted Rome’s great loyalty
should take a careful look and see:
the Axis is both strong and firm
and Rome’s neutrality was a most useful arm.



  FRA IT

10. Juni 1940

Morgens fahren wir mit Lastautos über Brügge nach dem Nordseebad Wenduine. Hier nehmen wir ein erfrischendes Bad. Die Sicht ist schlecht, und wir können leider die vor der Küste liegenden Wracks nicht sehen. Im Ort reiht sich Hotel an Hotel, Pâtisserie an Pâtisserie. Die meisten Hotels sind geschlossen, ihre Inhaber geflohen. Mit einigen Hotelbesitzern unterhalte ich mich französisch. Einer von ihnen hat 3 Söhne beim Militär und hat seit 5 Wochen keinerlei Nachricht von ihnen. Ich speise schön du dabei sehr billig im „Hôtel des Boulevards“. Um 220 Uhr hören wir in einem Lokal die Sondermeldung, daß der Krieg in Norwegen vorbei und Narvik endgültig in deutscher Hand sei.
Wir fahren nach Berg-op-Zoom zurück. Abends um 8 Uhr hören wir beim Verpflegungsempfang die Nachricht, daß Italien England und Frankreich den Krieg erklärt hat. Darob große Begeisterung! Die belgischen Gefangenen (oder sind es nur die Flamen?) kehren seit gestern ununterbrochen in ihre Heimatorte zurück. Man hat sie entlassen und alle sind von Herzen froh. Man hört drastische Meinungsäußerungen über den Krieg, die Kriegshetzer und Kriegsschuldigen, die Kapitalisten und vor allem über die Herren Engländer. Ein ganz besonderer Punkt spielt in ihren Gespächen eine große Rolle.

 
In the morning we go by lorry through Bruges to the North Sea resort of Wenduine. Hear we have a refreshing swim. The visibility is poor, and unfortunately we can't see the wrecks lying off the coast. In the town there is hotel after hotel and cake-shop after cake-shop. Most hotels are closed and the proprietors have fled. I chat with a few hotel owners in French. One of them has 3 sons in the army and has had no news whatsoever of them for 5 weeks. I eat well and cheaply at that in the "Hotel des Boulevards". At 2.20 we hear in a bar the special announcement that the war in Norway is over and Narvik is finally in German hands.
We go back to Berg-op-Zoom.  At 8 in the evening as we are picking up provisions we hear the news that Italy has declared war on England and France. Much rejoicing! The Belgian prisoners (or is it just the Flemings?) have been returning to their home towns in a constant flow since yesterday. They have been released and all are absolutely delighted.You hear extreme expressions of opinion about the war, the warmongers and the war guilty, the capitalists and above all their English lordships. One particular point is of great importance in their talk.


FRA IT