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- Dieter Finzen
- In Mori (Stockelsdorf) bei Lübeck aufgewachsen, habe ich bereits von 1916 bis 1918 am Ersten Weltkrieg im Füsilierregiment "Königin" Nr. 86 teilgenommen. Im August 1939 wurde ich als Veteran in die Wehrmacht eingezogen. In diesem Blog veröffentliche ich mein Kriegstagebuch.
Samstag, 1. Juni 2013
Freitag, 31. Mai 2013
31. Mai 1940
Mittags verabschiede ich mich von den Quartiersleuten, bei denen es mir sehr gut gefallen hat. Es geht weiter. Unsere Autos fahren vorweg. Wir fahren über Maldegem, Kleit, Knesselare, Oedelem, Moerbrugge, Oostecamp, Waardamme, Ruddervoorde nach Veldegem. Wir versuchen, Quartier zu machen; aber alle Quartiere sind von den belgischen Soldaten besetzt. Hier und in den umliegenden Orten liegt das 6. belgische Armee-Korps und warte auf den Abmarsch, der morgen vor sich gehen soll. Ich unterhalte mich mit vielen Offizieren und Soldaten. Nachts schlafen wir mit 3 Mann in unserem LKW.[Karte]
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Donnerstag, 30. Mai 2013
30. Mai 1940
Mittwoch, 29. Mai 2013
29. Mai 1940
Mittags werden wir von Pionieren im Verein mit Grenadieren der königlichen Garde aus Brüssel auf einer Pionierfähre über den Gent-Brügge-Kanal gesetzt. Das Übersetzen nimmt eine ziemliche Zeit in Anspruch. Ich erhalte Nachricht von meiner Frau, daß meine erste Post angekommen ist. Wir kommen über Aaltersbrugge, Knesselare, Kleit nach Maldegem und auf einer großen Autostraße weiter nach Adegem. Nur 5 km sind wir von der holländischen Grenze entfernt. Unterwegs marschieren wir dauernd an der aufgelösten belgischen Armee und an Tausenden von Flüchtlingen vorbei. Zu beiden Seiten der Straße liegen Gewehre, Maschinengewehre, Ausrüstungsstücke in gewaltigen Mengen und in wirrem Durcheinander. Ich komme zu sehr netten Leuten, einer Familie Cauwels, ins Quartier. Einer der beiden Söhne ist bereits vorgestern zu Hause eingetroffen; er hat sich selbst demobilisiert und seine Uniform ausgezogen. Mit Uffz. Hahn schlafe ich zusammen in einem Bett.
IT
Dienstag, 28. Mai 2013
28. Mai 1940
Morgens um 5 Uhr kommt die Nachricht, daß Belgien kapituliert hat. Das Schießen hört auf, nur unsere eigene Artillerie feuert 3 Salutschüsse. Eine wohltuende, angenehme Stille herrscht den ganzen Tag, allerdings aber auch ein fürchterliches anhaltendes Regenwetter. Von Mittag ab flutet die aufgelöste belgische Armee mit Autos, Lastwagen, dem gesamten Fuhrpark und Rädern an uns vorbei- stundenlang. Aber auch Tausende von Flüchtlingen strömen zurück, um sich wieder in ihre Heimatorte zu begeben. ![]() |
| Kriegsgefangene Belgier inVinkt am 28.5.1940 - Quelle: www.vinkt.be |
Wir verlassen Meigem, dem Ort des Ungehagens, und kommen zunächst durch das mächtig zerschossene Poesele, das gestern von unseren Truppen gestürmt wurde. Hier sehen wir schreckliche Spuren der Verwüstung. Überall liegen Ausrüstungsgegenstände der Belgier umher. Gewehre aller Art, die den Heckenschützen abgenommen wurden, hat man zu Haufen zusammengetürmt. Viele deutsche Soldatengräber liegen zu beiden Seiten des Weges. Wir ziehen weiter nach Lootenhülle und kommen nach Aalter. Kurz hinter dem Ort beziehen wir in einer Betonfabrik Quartier, die hinter dem Gent-Brügge-Kanal liegt. Die Brücken über dem Kanal sind erst gestern gesprengt worden.
Ich schlafe wunderschön auf einer weichen Matratze. Unterwegs hatte ich am Nachmittag verschiedentlich Gespräche mit belgischen Gefangenen, die sich über ihre mangelhafte Verpflegung und die geringe Löhnung derb ausließen. Sie bekämen pro Tag 1 Franc = 10 Pfennig Löhnung und ¼ Brot + 2 Biscuits. Auf die Engländer hatten alle eine Sauwut. Das geht auch deutlich aus dem Kriegstagebuch eines belgischen Sous-Lieutenant hervor, das ein Kamerad auf dem Schlachtfeld von Poesele fand. Ein belgischer Soldat gab mir als Souvenir ein Flugblatt, das am gestrigen Tag von deutschen Fliegern über den feindlichen Linien in Massen abgeworfen wurde. Es enthält die Aufforderung zum Niederlegen der Waffen mit daraufgezeichneten Lageplan.
We learn to our astonishment that soldiers belonging to a unit we don't know rooted out yet another individual in the house next to where we spent the night. The man had hidden in the oven. And yet we searched the house from cellar to attic.
We leave Meigem, that uneasy place, and first come the Poesele, massively shelled, which was stormed by our troops yesterday. Here we see horrible traces of the destruction. Items of the Belgians' equipment lie around everywhere. Guns of all kinds which were taken from the snipers have been piled together in heaps. The graves of soldiers lie on both sides of the road. We continue to Lootenhülle and get to Aalter. Just outside the town we occupy quarters in a cement factory, which lies behind the Ghent-Bruges Canal. The bridges over the canal were not blown up until yesterday.
I have a wonderful sleep on a soft mattress. On the way yesterday in the afternoon I had conversations on various occasions with Belgian prisoners, who had strong words to say about the poor quality of their provisions and low pay. They said that the got 1 Franc per day pay, which equals 10 Pfennig, and a quarter of a loaf + 2 biscuits. They were all furious with the English. This also features in the war journal of a Belgian sub-lieutenant which a comrade found on the Poesele battle-ground. A Belgian soldier gave me a leaflet as a souvenir, which German planes had dropped yesterday in large numbers over the enemy lines. It contains the call to lay down arms and included a location map.
IT
Montag, 27. Mai 2013
Die Geschehnisse in Meigem und Vinkt am 27./28. Mai 1940
Dieter berichtet sehr detailliert über die Geschehnisse in Meigem am 27.Mai 1940."Von allen Seiten fallen Schüsse. Heckenschützen schießen aus den Häusern, von den Bäumen und aus den Kornfeldern. Viele Heckenschützen, darunter auch Frauen und Kinder, werden abgeführt."
Was Dieter hier in Ansätzen schildert, ist als einer der ersten grössere Kriegsverbrechen im Westfeldzug als "Massaker von Vinkt" bekannt geworden.
Zur Vorgeschichte:
Der schnelle Vormarsch der deutschen Wehrmacht hatte die Alliierten überrascht. Die französische Armee war zusammengebrochen und das britische Expeditionskorps befand sich auf dem Rückzug nach Dünkirchen (B). Die belgischen Truppen versuchten diesen Rückzug nach Kräften zu decken. Dabei kam der Brücke über den Schipdonk-Kanal große strategische Bedeutung zu. Die 1. Division der Ardennenjäger bereitete sich auf die Verteidigung der Brücke vor, um möglichst vielen britischen Versprengten und belgischen Flüchtlingen, von denen etwa eine Million unterwegs waren, den Weg freizuhalten.
Als das Infanterie-Regiment 377, welches der deutschen 225. Infanterie-Division unterstand, Vinkt erreichte, stieß sie am 25.5.1940 auf die vorbereiteten Stellungen der Ardennenjäger.
Da es den schlecht ausgebildeten Reservisten nicht gelang den Kanal zu überqueren, nahmen sie Geiseln unter der Zivilbevölkerung, um diese als menschliche Schutzschilde zu benutzen. Eine Artilleriegranate, die in eine Gruppe von 150 Geiseln schlug tötete zahlreiche Zivilisten. Am nächsten Tag wurden weitere 27 Geiseln durch eine Explosion in der Kirche des benachbarten Meigem, wo sie gefangen gehalten wurden, getötet.
Bei den deutschen Truppen entstand das Gerücht und zum Teil wohl auch der Eindruck, dass sich auch Zivilisten an den Kämpfen beteiligen würden. Das Gerücht kam wohl dadurch auf, dass Ardennenjäger durch die deutschen Linien sickerten und von hinten in den Kampf eingriffen.
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| Denkmal für die Opfer in Vinkt, Memorial to the victims in Vinkt Bild: Vinkt.be |
Zwei Offiziere der Einheit wurden nach dem Krieg zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, aber nach wenigen Jahren freigelassen.
Dieter erwähnt von diesen Geschehnissen nichts. Er hinterläßt mit dem Satz "Wir verlassen Meigem, dem Ort des Ungehagens" nur eine Andeutung, die vermuten läßt, auch er Zeuge dieser Geschehnisse geworden sein könnte.
Eine weitere, sehr detaillierte Beschreibung findet sich bei Gerhard Siegle "Der lange Weg 1939-1945" ab S.78, auch er berichtet von Heckenschützen, läßt jedoch die Erschießungen weg. Siegle gehörte zur 6./ IR 376.
Weitere Informationen unter:
http://www.vinkt.be/pages/mei.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Vinkt
Dieter reports in great detail the events in Meigem on 27th May 1940.
"Shots are fired from all sides. Snipers fire from the houses, trees and wheat-fields. Many snipers, among them women and children, are taken away."
What Dieter depicts here in his journal entries became known as the "Vinkt massacre", one of the first significant war crimes of the Western Campaign.
The prelude:
The swift advance of the German army had taken the Allies by surprise. The French army had collapsed and the British Expeditionary Force found itself retreating towards Dunkirk. The Belgian troops tried to cover this retreat as best it could. In the process the bridge over the Schipdonk Canal attained great strategic significance. The 1st Division of the Ardennes Jagers prepared to defend the bridge, in order to keep the route open for as many as possible of the dispersed British troops and Belgian refugees, of whom there were around a million on the roads.
When the 377th Infantry Regiment, to which the 225th Infantry Division was subordinate, reached VInkt, they came up against the positions prepared by the Ardennes Jagers.
Since the poorly-trained reservists did not succeed in crossing the canal, they took hostages from the civilian population, in order to use them as a human shield. An artillery shell which landed on a group of 150 hostages killed a large number of civilians. The next day 27 more hostages were killed by an explosion in the church of the neighbouring village of Meigem, where they had been kept prisoner.
Among the German troops the rumour arose, and to an extent also the impression, that civilians had also been involved in the fighting. The rumour most likely arose from the fact that the Ardennes Jagers had infiltrated through the Germans lines and taken up the fight from behind the line.
On the 27th of May 1940 Vinkt was taken after heavy losses and the deployment of the 377th Infantry Regiment. A total of 86 male civilians, including some refugees, were shot at various locations and without trial, some of them after the Belgian capitulation.
After the war two officers of the unit were sentenced to 20 years imprisonment, but released after a few years.
Dieter does not mention these events. He leaves behind just a hint in the sentence "We leave Meigem, the place of uneasiness", which allows us to speculate that he too might have been a witness of these events.
Another, very detailed description is to be found in Gerhard Siegle's Gerhard Siegle "Der lange Weg [The long way] 1939-1945", from page 78, he too mentions snipers but omits the shootings. Siegel belonged to the 6th Infantry Regiment 376.
Further Information:
http://www.vinkt.be/pages/mei.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Vinkt_Massacre
IT
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