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In Mori (Stockelsdorf) bei Lübeck aufgewachsen, habe ich bereits von 1916 bis 1918 am Ersten Weltkrieg im Füsilierregiment "Königin" Nr. 86 teilgenommen. Im August 1939 wurde ich als Veteran in die Wehrmacht eingezogen. In diesem Blog veröffentliche ich mein Kriegstagebuch.

Samstag, 25. Mai 2013

25. Mai 1940

½ 5 Uhr geweckt. Wir marschieren zurück über Westrem nach Messemen und gelangen auf die Hauptstrasse von Brüssel nach Gent. Wir kommen nach Kwatrecht, wo so entsetzliche Zerstörungen angerichtet sind, wie wir sie bislang in dem Umfang so noch nicht gesehen haben. Hier hatte sich der Feind mächtig zur Wehr gesetzt. Ungeheure Einschläge stellen wir fest und viele Minenfelder. Etliche deutsche Soldaten sind hier gefallen; ihre Gräber hat man mit Holzkreuzen und Blumen versehen. Viele Kühe und Schafe liegen erschossen auf den Weiden; ihre Leiber sind mächtig aufgedunsen. Geschütze des Feindes stehen noch eingebaut in den Stellungen. Furchtbare Szenen bieten sich unseren Augen. Tausende von Zivilflüchtlingen strömen wieder an uns vorbei. Über Melle und Gentbrügge erreichen wir Gent.
Hier gibt es ein langes Halt. Ich gehe in ein Haus zu Zivilisten,

Wasche mich dort und mache dann einige Einkäufe. Mir bietet sich Gelegenheit, die ersten Unterhaltungen in französischer Sprache zu führen. Nach Mittag rücken wir ab; es geht nach Gentbrügge zurück.
Dort machen wir und selbst Quartier in einem leerstehenden Haus. Ich werde schnell mit verschiedenen Einwohnern bekannt. Eine Frau wäscht mir die Wäsche. Diese ist gerade gekocht, als der Befehl zum Abmarsch kommt. Mit der nassen Wäsche geht es weiter. Wir ziehen wieder nach Gent und halten in einem Park. In einer Großgarage bezieht die ganze Kompanie Quartier. Auf dem kalten Steinfußboden legen wir uns schlafen. Während der Nacht tobt ein mächtiges Artilleriefeuer. Unser 2. Zug wird eingesetzt.

 
Reveille at 4.30. We march back through Westrem to Messemen and reach the main road Brussels to Ghent. We get to Kwatrecht, where more terrible destruction has been inflicted than we have yet seen in this area. Here the enemy had fought mightily. We notice huge craters and many minefields. Quite a few German soldiers have been killed here; their graves have been provided with wooden crosses and flowers. Many shot cows and sheep lie in the meadows; their bodies are hugely bloated. Enemy guns remain in their emplacements. Horrible scenes are before our eyes. Once more thousands of civilian refugees stream past us. We go though Mell and Gentbrügge to arrive in Ghent.

Here there is a long pause. I go to a civilian house, have a wash there then do some shopping. I have the opportunity to have my first conversations in the French language. After mid-day we move off; we go back through Gentbrügge.
There we set up quarters in an abandoned house. I quickly make acquaintance with various locals. A women does my washing for me. It has just been boiled when the order to march on arrives. I carry on with my wet clothes. We head towards Ghent again and stop in a park. The whole company finds quarters in a car park. We lie down to sleep on the cold stone floor. During the night huge artillery fire rages. Our 2nd platoon is engaged in the fighting.


FRA IT

Freitag, 24. Mai 2013

24. Mai 1940 - Jagers te Voet



Wieder einmal wurde die 5. Inf. Division „befehlsgemäß“ geschlagen. Die Deutschen sind in Gent und Deinze, und um nicht Gefahr zu laufen, abgeschnitten zu werden, müssen wir uns aufs neue zurückziehen. Ein Offizier des Bataillons ist gefallen, der Unterleutnant Simon, der mich in der Vorpostenstellung ablösen sollte.


Yet again the 5th Infantry Division was defeated "as ordered". The Germans are in Ghent and Deinze, and in order not to risk being cut off we have to withdraw again. One battalion officer has been killed , Second Lieutenant Simon, who was supposed to relieve me in the forward position.

FRA IT





11/III     SIMON, Jules     OLt     25/11/1914     Wasmes     23/05     Eke

Quelle: http://18daagseveldtocht.wikispaces.com/1e+Jagers+te+Voet



24. Mai 1940

Weitermarsch über Lippeloo, Baasrode und Dendermonde. Auch hier sind die Brücken wieder gesprengt. Der Schaden ist gewaltig. Weiter geht es über Appels, Wichelen, Schellebelle, Wetteren, Massemen, Westrem nach Bevegem. Abends um 10 Uhr treffen wir hier ein und legen uns auf einem Heuboden schlafen. Während des ganzen Tages strömen fortgesetzt unendliche Reihen von Flüchtlingen an uns vorbei, die in ihre Heimatorte zurück wollen. Wir sehen entsetzliches Elend und schreckliche Bilder.
 
We march on through Lippeloo, Baasrode and Dendermonde. Here too the bridges have been blown up. The damage is immense. We go on through Appels, Wickelen, Schellebelle, Wetteren, Massemen, Westrem to Bevegem. We arrive here at 10p.m. and lie down to sleep in a hay loft. Throughout the day endless lines of refugees stream past us continually, wanting to get back their home towns. We see appalling misery and terrible sights.



FRA IT

Donnerstag, 23. Mai 2013

23. Mai 1940

½ 5 Uhr Wecken. Stundenlang stehen wir abmarschbereit bei den Fahrzeugen. Endlich geht es los. Endlos lange Kolonnen stehen auf der Straße. Ein Weg von über 55km steht uns bevor. Zunächst marschieren wir nach Antwerpen. Eine herrliche Stadt, die ganz internationalen Charakter hat. Überall sieht man französische und englische Aufschriften- Wir fahren eine ganze Zeit am Hafen entlang, der gewaltige Anlagen und Kais mit Schuppen sämtlicher Schifffahrtslinien der Welt aufweist. Verschiedene Brücken sind gesprengt. In der Stadt sind herrliche Läden, in denen alles zu haben ist. Wir fahren durch die Italienische und die Französische Straße; in beiden Straßen liegen die Konsulate vieler Länder. Die  Stadt selbst ist unbeschädigt. Auf dem Weitermarsch kommen wir durch Oude God. Hier habe ich Gelegenheit, mich mit einer jungen Dame zu unterhalten, deren Vater Deutscher und die Mutter Belgierin ist. Sie ist ein Kriegskind von 14/18. Die Eltern wohnen in Berlin. Weiter geht es über Mortsel, Kontich nach Duffel. Die Brücken über die Nethe sind gesprengt und provisorische Übergänge durch Pioniere hergestellt. 

 Wir habe jedoch einen gewaltigen Umweg zu machen. Endlich gelangen wir nach Mecheln und damit über die Dyle. Nun biegen wir nach Westen ab. Bei Heffen geht es über die Zenne, weiter über Blaasveld und dann bei Willebroek über den Willebroek-Kanal. Der Ort ist durch die Sprengung der Brücke gewaltig zerstört. Ganze Häuserreihen sind vernichtet, die Häuser bis auf die Mauern ausgebrannt. Hier muß ein fürchterliches Feuer gewütet haben. Wir ziehen weiter nach Breendonk und bleiben die Nacht über hier. Um 1 Uhr gehe ich mit Uffz. Lahme in ein Privatquartier, aus dem die Bewohner geflohen sind. Im Zimmer finden wir schmutzige Betten, und es herrscht ein übler Gestank. Einen bis an den Rand gefüllten Nachttopf hat man uns zurückgelassen. In der Nacht immer feindliche Flieger. Die Flak schießt unaufhörlich.
 
Reveille at 4.30. For hours we stand by the lorries ready to march. Finally we set off.   Endlessly long columns are on the roads. We are facing a route of over 55km.   First we march towards Antwerp. A wonderful town, which has a really international character. You see French and English signs everywhere.  We drive along by the harbour for some time, which displays enormously extensive facilities and quays with warehouses belonging to all the shipping companies in the world. Various bridges have been blown up. In the town there are wonderful shops, where you can get everything. We drive through Italian Street and French Street ; in both streets are the consulates of many countries. The town itself is undamaged. As we march on we go through Oude God. Here I have the opportunity to chat to a young lady, whose father is German and her mother Belgian. She was a war baby from 14/18. Her parents live in Berlin. We go on through Mortsel, Kontlich to Duffel. The bridges over the Nethe have been blown up and provisional crossings have been constructed by the sapper.
Yet we have to make a huge detour. Finally we reach Mecheln and  so over the Dyle.  Now we turn westwards.Near Heffen we cross the Zenne, go further by Blaasveld and then by Willebroek over the Willebroek Canal. The town has suffered huge damage through the blowing-up of the bridge. Whole rows of houses are destroyed, the houses are burned out to the walls. A terrible fire must have raged here. We continue towards Breendonk and spend the night here. At 1a.m. I go with Sergeant Lahme to private quarters, from which the occupants have fled. In the room we find dirty beds and a horrible smell reigns everywhere. They have left us a chamber-pot filled to the brim. Enemy aircraft throughout the night. Constant flak fire.


FRA IT

Mittwoch, 22. Mai 2013

22. Mai 1940 - Jagers te Voet



Vorgestern habe ich mehr denn je zuvor an Dich gedacht. Gegen 7 Uhr wurde ich zum Kommandanten gerufen, der mich dazu bestimmte, die Ablösung eines Vorpostens vorzunehmen mit der Aufgabe, 600m vor den Linien mit 30 Mann bis zum äußersten Widerstand zu leisten, ganz gleich gegen wen. Ich hatte dir ein paar Zeilen geschrieben, wobei ich glaubte, daß es die letzten seien.
Ich war aber doch sehr überrascht, in einem ruhigen Abschnitt zu kommen. Allerdings mussten wir fünf Bomben einstecken, die einer als Artilleriebeobachtung hergerichteten Mühle gelten sollten. Und von Zeit zu Zeit gab es einen MG-Überfall oder Gewehrschüsse.
Eine meiner Patrouillen hatte das Glück, 4 Deutsche zu sehen, die … einen guten Kilometer entfernt waren. Das sind die Begünstigten.
Um 9 Uhr abends Befehl des sofortigen Rückzuges. Die Engländer hatten bei Oudenarde versagt, und man befürchtet die Umklammerung.
Mitten im Nebel Überschreiten der Schelde auf einem Laufsteg. Wir hatten einen aufregenden Alarm: 25 Minuten lang haben uns 9 Messerschmitt ohne Unterlaß, während wir und in voller Arbeit befanden, mit MG-Feuer bestrichen. Ich bewegte mich dauernd um eine dicke Pappel, die mich vor den Kugel schützte: ein richtiges „Katz und Maus-Spiel“.
Es scheint, daß der deutsche Vorstoß bei Arras und Cambrai zum Stehen gebracht ist. Aber sie haben die Schelde bei Oudenarde überschritten. Famose Soldaten!
Es ist nicht möglich zu schreiben. „Reorganisation der belgischen Feldpost“, sagte der Heeresbericht. Ich habe vielmehr den Eindruck, daß diese Herren von dem deutschen Vormarsch überrascht wurden.
Ich hoffe, daß es hinsichtlich des Schreibens mit euch beiden nicht ebenso ist, daß ihr Zeit hattet, euch aus dem Staube zu machen und daß ich eines Tages gelegentlich eines Urlaubs euch wiedersehe. Es wäre so schön, wenn wir drei wieder zusammen wären. Aber noch kommen Tage und Tage, da ich ohne Nachricht von Dir sein werde. Denkst Du daran, wenn Du schreibst, Deine Anschrift auf jeden Deiner Briefe zu setzen? – Wenn nicht, wäre das ein Verhängnis.



Die Schelde östlich Deize, Blick nach Westen
Größere Kartenansicht


The day before yesterday I thought of you more than ever. At about 7 I was called to the commanding officer, who gave me the responsibility of relieving an outpost with the order that I should offer the utmost resistance against anyone at all,  600m in front of the lines with 30 men.  I had written you a few lines, thinking they were the last.
But I was astonished to arrive in a quiet sector. Admittedly we had to cope with five bombs which were intended for a mill which was being used for artillery observation. And now and again there were machine-gun attacks or rifle shots.
One of my patrols was lucky enough to see 4 Germans, who…. were a good kilometer away.   They are the fortunate ones.
At 9pm order for immediate withdrawal. The English have given way near
Oudenarde, and they are afraid that we will be surrounded.
In thick fog cross the Scheldt on a footbridge. We had an exciting alarm:  for 25 minutes 9 Messerschmitts machine-gunned us without cease, while we were hard at work. I kept moving round a thick poplar, which protected me from the bullets: a real cat and mouse game.
It seems that the German advance has been halted near Arras and Cambrai. But they have crossed the Scheldt near
Oudenarde. Splendid soldiers!
It is not possible to write to you. “Reorganisation of Belgian Forces’ Mail” said the army announcement. I have much more the impression that these gentlemen were taken by surpise by the German advance.
I hope that in the concerning writing it has not been like that for you, that you had time to get out and that I will see you again one day when I have leave. It would be so lovely if the three of us were together again. But many days will still come when I will be without news of you. Do you remember when you write to put your address on every one of your letters? If you don’t, that would be a disaster.


FRA IT

22. Mai 1940

Nichts Neues! Wir faulenzen den ganzen Tag. Der Geschützdonner wird lebhafter.
 
Nothing new! We laze about all day. The thunder of the guns is getting livelier.

FRA IT

Dienstag, 21. Mai 2013

Gebrumm - Droning



















 
Droning

And so they dash with droning noise
around and round our happy skies
A hundred times we've seen them come
Yet to the window we all run


FRA IT