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In Mori (Stockelsdorf) bei Lübeck aufgewachsen, habe ich bereits von 1916 bis 1918 am Ersten Weltkrieg im Füsilierregiment "Königin" Nr. 86 teilgenommen. Im August 1939 wurde ich als Veteran in die Wehrmacht eingezogen. In diesem Blog veröffentliche ich mein Kriegstagebuch.

Donnerstag, 21. Februar 2013

21. Februar 1940

Der Dienst geht weiter. Der Ersatz soll nicht für uns bestimmt sein. Scheiße!
 
Work goes on. The replacements are said not to be assigned for us. Shit!

FRA IT

Mittwoch, 20. Februar 2013

20. Februar 1940

Ein böser Tag. Um 1 Uhr Wecken. Die ganze Kompanie tritt bespannt auf dem Kasernenhof an. Um 3 Uhr ist Abmarsch. Es geht in die Senne zum Scharfschießen. Um 10 Uhr treffen wir im Lager Staumühle ein. Mehr als die Hälfte des Weges wurde marschiert, im übrigen durften wir aufsitzen. Der Weg ging über Lopshorn und Augustorf. Es war ein beschwerlicher Marsch durch hohen Schnee und auf glatten Straßen. Von 10-12 Uhr Pause. Das Schießen soll beginnen. Es stellt sich heraus, daß keine Munition zu haben ist. Folglich können wir nicht schießen. Um 1215 Uhr erfolgt der Abmarsch vom Lager. Der Rückweg geht über Augustorf, Pivitsheide, Heidenvedendorf. Um 6 Uhr kommen wir totmüde und abgekämpft nach Detmold zurück. Abend hören wir noch, daß 16 Mann Ersatz für uns gekommen sind. Hoffentlich kommen wir jetzt fort.
 
A terrible day. Reveille at 1am. The whole company reports in the barrack yard with field batteries. Set off at 3am. We are heading for the Seene to shoot live rounds. At 10am we arrive at the Staumühle camp: we marched more than half the way, otherwise we were allowed to sit on the vehicles. Our route took us through Lopshorn and Augustorf. It was an exhausting march through deep snow and on slippery roads. Break from 10-12. The shooting is supposed to start. It emerges that there is no ammunition to be had. As a result we can't shoot. At 12.15 we set off from the camp. The way back goes through Augustorf, Pivitsheide, Heidenvedendorf. At 6 we get back to Detmold dead tired and weary. In the evening we hear that a 16 man group of replacements has arrived for us. Let's hope we can now get away from here.

FRA IT

Samstag, 16. Februar 2013

16. bis 19. Februar 1940

Der garnisonsmäßig exakte Dienst hält unvermindert an. Ich stehe meistens zweimal am Tage mit Nachrichtendienst auf dem Dienstplan. Die Freizeit wird immer weniger. Wir warten auf unsere Ablösung und sprechen dauernd davon.
 
The precise garrison-style duties contiue unbated. Most days I appear on the duty list twice with intelligence work. There is less and less free time. We are waiting to be relieved and speak about it constantly.



FRA IT

Freitag, 15. Februar 2013

15. Februar 1940

½ 5 Uhr Wecken. 545 Uhr Antreten der Kompanie mit 3 Geschützen und der Feldküche. Wir sollen einen Marsch von 30km machen, und dabei liegt sehr hoher Schnee. Im letzten Augenblick wird der Marsch abgeblasen.
 
Reveille at 4.30. The company is to line up at 5.45 with 3 ?field guns? and the field kitchen. We are to do a 30km march, with heavy snow on the gound. At the last moment the march is called off.


FRA IT

Donnerstag, 14. Februar 2013

14. Februar 1940

Um 9 Uhr führe ich die 2. Schießabteilung zum Scharfschießen nach dem Schießstand Bent, 1 ½ Stunden von Detmold entfernt. Ich habe die Schießaufsicht. Bis 3 Uhr dauert die Geschichte. Wir schießen mit Gasmaske bei bösem Schneetreiben. Es ist nichts zu sehen. Die Schießergebnisse sind dementsprechend. Um 5 Uhr sind wir zurück, total fertig und abgespannt. Es gibt nur noch kaltes Mittagessen. Der Dienst ist ganz und gar auf die jungen Rekruten abgestimmt. Für uns ist er zu anstrengend; trotzdem müssen wir ihn mitmachen. Eine Handvoll „Alter“ ist noch da; ich bin der älteste. Es gibt wenig Freizeit.
 
At 9 I lead the 2nd rifle detachment (?) to the Bent shooting ground in order to shoot live rounds, an hour and a half from Detmold. We shoot with gas-masks on in nasty snow flurries. You can see nothing. The results are as you would expect. At 5 we are back, completely done in and washed out. All that's left is cold lunch. Duties are entirely geared for the young recruits. It is too exhausting for us; despite this we have to take part. A handful of "oldies" remains; I am the oldest. There is little free time


FRA IT

Dienstag, 12. Februar 2013

12. und 13. Februar 1940

Es ist sehr kaltes Wetter. Dabei haben wie stundenlang Dienst auf dem Kasernenhof gemacht und gefroren. Ich habe mit der Nachrichtenausbildung viel zu tun. Seit 5 Tagen ist die Briefpost ausgeblieben.
 
It is very cold weather. In these conditions we had duty for hours in the barracks yard and froze. I am very busy with intelligence training. There has been no post for 5 days.


FRA IT

Montag, 11. Februar 2013

11. Februar 1940

Sonntag. Die Kälte hält weiter an. Über Nacht sind 2 Kameraden aus dem Bett ins Kitchen gekommen. § 175. Nachmittags fahre ich mit der Strassenbahn nach Berlebeck, besichtige die Quellen und gehe zur Ruine Falkenberg hinauf. Vorher traf ich mit Hptm. Braesen und Feldw. Theo Fick zusammen.


Hintergrund
§ 175 StGB stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe.
Im Jahr 1935 verschärften die Nationalsozialisten den § 175, indem sie die Höchststrafe im Zuge einer Umdefinition vom Vergehen zum Verbrechen von vier Jahren auf fünf Jahre Gefängnis heraufsetzten. Durch Streichung des Adjektivs „widernatürlich“ wurde die traditionsreiche Beschränkung auf beischlafähnliche Handlungen aufgehoben. Der Straftatbestand war nun erfüllt, wenn „objektiv das allgemeine Schamgefühl verletzt und subjektiv die wollüstige Absicht vorhanden war, die Sinneslust eines der beiden Männer oder eines Dritten [zu] erregen“. Eine gegenseitige Berührung war nicht mehr erforderlich.

(Quelle: Wikipedia)
 

 
Sunday. The cold continues. During the night 2 fellow-soldiers are taken from bed to the cooler.§ 175. In the afternoon I go by tram to Berlebeck, visit the springs and go up to the Falkenberg (castle) ruins. Beforehand I met Captain Braesen and Sergeant Fick. 

Background § 175 of the German Penal Code made sexual contact between men illegal. In 1935 the National Socialists made § 175 more severe, as by redefining it as a crime rather than an offense they increased the maximum sentence from 4 years to 5. By removing the adjective "unnatural" the long-standing restriction to acts simulating intercourse was removed. The statutory offence was now committed when "objectively general modesty was offended and subjectively the lascivious intention was present to arouse the sensuality of one of the two men or of a third party" Mutual physical contact was no longer required.


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